Trennungsschlaraffenland

Freitag. Ich werde das Wochenende also als Single beginnen. Selten habe ich mich so auf das Wochenende gefreut. Was tun?

Was dagegen.

Ich schmeiß Zeug in meinen Rucksack und beschließe zu gehen. Davor mache ich aber noch etwas typisch seltsames. Ich bin in mir drin so starr und verlangsamt, alles scheint wie in Zeitlupe zu passieren im Kopf. In solchen Situationen bin ich nicht klar im Kopf.

Er hat ein Shirt hier vergessen. Ich will es nicht sehen. Nicht in meiner Nähe haben. Aber ich bin nicht der Typ, der so vorrausschauend denkt und solche Ex-Dinge an einen Ort deponiert und nach 2 Jahren in Erinnerungen schwelgt. Schwilgt. Whatever. Reminisce some time und so. No.

Ich verlasse das Haus, Rucksack auf dem Rücken und sein Shirt in der Hand. Nein, einfach in den Müll damit, das bringe ich einfach nicht übers Herz. Ich irre also in der Öffentlichkeit mit einem weißen Männershirt herum und betrete irgendwann einen Supermarkt. Ich brauche nichts, denn ich werde wegfahren.

Dieses Shirt in meiner Hand. Landet im Müsliregal.

Ich geh raus, irgendwas gekauft (ich erinnere mich nicht was) und bin wohl einer der seltenen Fälle die im Supermarkt nichts mitgehen lässt, sondern hinterlässt.

Da liegt es nun. Und was damit geschieht? Das übernehmen andere.


Ankunft in der Heimatstadt. Ich komme 30 Minuten zu spät. Immer noch kein Zeitgefühl. Ich fühle mich hier so normal. Ich war immer so glücklich hier. Meine Freundinnen warten. Und dann essen wir. Einfach nur essen.

Ich werde angesprochen, ich würde ja wie 13 aussehen. Davor schrieb ich meinen Freundinnen noch ich fühle mich wie 82.

Ich will endlich die Mitte finden. Keine Extreme mehr. Bitte.

Am Abend lasse ich mich überreden das Feuerwerk der Stadt anzuschauen.

Freundin: Das ist genau das Richtige! Feuerwerk steht für einen Neuanfang und die bösen Geister (der Wolf) werden aus deinem Kopf vertrieben!

Es war wunderschön. So nah, als spüre ich fast die Funken. Es leuchtet im Fluß….

Danach lasse ich mich dazu überreden Achterbahn zu fahren. Wisst ihr wie lang ich das schon nicht mehr gemacht habe? Ich schreie und lache mir währenddessen die Seele aus dem Leib.

Ich kann nicht aufhören zu lachen. Diese Achterbahnfahrt symbolisiert all das mit dem Wolf. Das Auf und Ab. Glück und Unglück, so nah bei einander. Nie Ruhe, nie Konstanz. Unruhe. Ich steige aus und falle fast die Treppe hinunter. So sehr hat er mein Leben verwirrt.

Am nächsten Tag shoppen. Spontan. Und – immer wieder essen. Freunde, lachen, Heimat.

Es geht mir echt gut.

Dann irgendwann fahr ich wieder in meine Stadt. Ich schließe die Tür auf, sehe mein Bett und könnte kotzen.

Ich schreibe ihm – immer noch. Ich vermisse dich.

Eine Antwort bekomme ich nie. Aber wisst ihr was?

Ich bin keine von denen, die sich zwingen ihm nicht mehr zu schreiben. Nicht so kurz danach. Ich fand das so toll, was mein Ex mal dazu sagte, als ich ihm erzählte, dass eine Freundin mir riet, mit ihm nicht über meine Gefühle zu reden. Er sagte: Bei mir sind deine Gefühle gut aufgehoben.

Und das ist wahr.

Komisch ist auch, dass ich jetzt nach dieser Trennung vom Wolf meinen Exfreund vermisse.

Aber whatever. Weiter im Trennungs-Einmaleins. Nach shoppen, Feuerwerk, Achterbahnfahren, essen essen essen, Freundinnen, Heimat und ganz viel Lachen kommt morgen der nächste Schritt:

Das Land verlassen, Musik und Alkohol. Sieben Tage.

 

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6 thoughts on “Trennungsschlaraffenland

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