Trennungsschlaraffenland

Freitag. Ich werde das Wochenende also als Single beginnen. Selten habe ich mich so auf das Wochenende gefreut. Was tun?

Was dagegen.

Ich schmeiß Zeug in meinen Rucksack und beschließe zu gehen. Davor mache ich aber noch etwas typisch seltsames. Ich bin in mir drin so starr und verlangsamt, alles scheint wie in Zeitlupe zu passieren im Kopf. In solchen Situationen bin ich nicht klar im Kopf.

Er hat ein Shirt hier vergessen. Ich will es nicht sehen. Nicht in meiner Nähe haben. Aber ich bin nicht der Typ, der so vorrausschauend denkt und solche Ex-Dinge an einen Ort deponiert und nach 2 Jahren in Erinnerungen schwelgt. Schwilgt. Whatever. Reminisce some time und so. No.

Ich verlasse das Haus, Rucksack auf dem Rücken und sein Shirt in der Hand. Nein, einfach in den Müll damit, das bringe ich einfach nicht übers Herz. Ich irre also in der Öffentlichkeit mit einem weißen Männershirt herum und betrete irgendwann einen Supermarkt. Ich brauche nichts, denn ich werde wegfahren.

Dieses Shirt in meiner Hand. Landet im Müsliregal.

Ich geh raus, irgendwas gekauft (ich erinnere mich nicht was) und bin wohl einer der seltenen Fälle die im Supermarkt nichts mitgehen lässt, sondern hinterlässt.

Da liegt es nun. Und was damit geschieht? Das übernehmen andere.


Ankunft in der Heimatstadt. Ich komme 30 Minuten zu spät. Immer noch kein Zeitgefühl. Ich fühle mich hier so normal. Ich war immer so glücklich hier. Meine Freundinnen warten. Und dann essen wir. Einfach nur essen.

Ich werde angesprochen, ich würde ja wie 13 aussehen. Davor schrieb ich meinen Freundinnen noch ich fühle mich wie 82.

Ich will endlich die Mitte finden. Keine Extreme mehr. Bitte.

Am Abend lasse ich mich überreden das Feuerwerk der Stadt anzuschauen.

Freundin: Das ist genau das Richtige! Feuerwerk steht für einen Neuanfang und die bösen Geister (der Wolf) werden aus deinem Kopf vertrieben!

Es war wunderschön. So nah, als spüre ich fast die Funken. Es leuchtet im Fluß….

Danach lasse ich mich dazu überreden Achterbahn zu fahren. Wisst ihr wie lang ich das schon nicht mehr gemacht habe? Ich schreie und lache mir währenddessen die Seele aus dem Leib.

Ich kann nicht aufhören zu lachen. Diese Achterbahnfahrt symbolisiert all das mit dem Wolf. Das Auf und Ab. Glück und Unglück, so nah bei einander. Nie Ruhe, nie Konstanz. Unruhe. Ich steige aus und falle fast die Treppe hinunter. So sehr hat er mein Leben verwirrt.

Am nächsten Tag shoppen. Spontan. Und – immer wieder essen. Freunde, lachen, Heimat.

Es geht mir echt gut.

Dann irgendwann fahr ich wieder in meine Stadt. Ich schließe die Tür auf, sehe mein Bett und könnte kotzen.

Ich schreibe ihm – immer noch. Ich vermisse dich.

Eine Antwort bekomme ich nie. Aber wisst ihr was?

Ich bin keine von denen, die sich zwingen ihm nicht mehr zu schreiben. Nicht so kurz danach. Ich fand das so toll, was mein Ex mal dazu sagte, als ich ihm erzählte, dass eine Freundin mir riet, mit ihm nicht über meine Gefühle zu reden. Er sagte: Bei mir sind deine Gefühle gut aufgehoben.

Und das ist wahr.

Komisch ist auch, dass ich jetzt nach dieser Trennung vom Wolf meinen Exfreund vermisse.

Aber whatever. Weiter im Trennungs-Einmaleins. Nach shoppen, Feuerwerk, Achterbahnfahren, essen essen essen, Freundinnen, Heimat und ganz viel Lachen kommt morgen der nächste Schritt:

Das Land verlassen, Musik und Alkohol. Sieben Tage.

 

end of story

Es ist zehn Minuten her. Ich rufe zwei meiner besten Freunde an. Ich fühle mich seltsam. Emotional abgestumpft. Das endzeit-Szenario ist einfach zu oft durch gemacht worden.

Ich kann nicht mal richtig weinen. Nur manchmal kommen diese Schluchzer durch begleitet von ein paar Tränen.

Am Telefon weiß ich gar nicht so richtig was ich sagen soll. Und die Aussage „Wir haben es  dir doch gesagt.“ steht allzu sehr im Raum.

Er schrie mich an. Sein Entschluss zu gehen ist fertig gedacht, während ich arbeiten war. Das Wort Bauchgefühl ist euch sicher bekannt?

Man lebt etwas, was man wollte, aber mit schlechtem Bauchgefühl. Doch man ignoriert es.

Ich sei schuld gewesen. Ich hätte das Fass zum Überlaufen gebracht. Mit meinen Zweifeln. Er kann das nicht mehr.

Meine Augen sind verquollen und ich habe bestimmt 6 Milchschnitten gegessen.

Meine Gefühle sind wahnsinnig verwirrt. Sie befinden sich zwischen Angst, Verlust, Scham und Befreiung.

All die Zeit lief ich mit dieser Anspannung herum. Er liebt mich (noch) nicht. Er meldet sich nicht. Er hat keine Zukunft. Ich will ihn mehr als er mich. Immer diese fehlende Zuneigung. Ob das jetzt daran lag, dass es nicht da war, oder ein Problem damit hat,dass er es nicht ausdrücken konnte. Am Ende sitze ich da mit dem Gefühl der fehlenden Zuneigung. Alleine.

Am Ende ist es alles nicht so schlimm. Denn am Ende sind wir zwei Menschen, die nicht zueinander passen.

Ich hänge sehr an ihm. Und das Gefühl etwas zu verlieren, wobei man weiß, dass es nicht funktioniert, obwohl von meiner Seite genug Gefühle da sind, ist schrecklich.

Aber jetzt schon, 10 Minuten nach der Trennung Erleichterung zu empfinden, ist ebenfalls seltsam. So viel fällt von meinen Schultern. Und ich realisiere, wie viel Energie und vor allem Selbstwert mich das gekostet hat. Was macht das denn mit einem Menschen, der ständig ohne die nötige Sicherheit und Bestätigung des Partners lebt? Man zweifelt innerlich an sich. Daran geliebt zu werden. Wie man ist.

Ich denke an meinen Ex. Wie ich diese Trennung bewältigt habe. Mir wird klar, dass ich langsam alt werde. Ich leide nicht mehr wie ein Hund, weil ich weiß, dass es vorbei gehen wird. Also gehe ich raus, kauf mir ungesundes Essen für den Abend, schminke mich ab und schlafe früh ein.

Am nächsten Tag mache ich sauber, dusche und schreibe ihm.

Er hat die Angewohnheit mir immer dann wieder zu schreiben, wenn er schon nahezu aus meinen Universum verschwunden ist. Und das will ich nicht mehr. Dieses Ende muss endgültig sein. Kein „Wie geht es dir?“ nach einem Monat. Das ist kein Ende. Ich hoffe er versteht das und nimmt das Ernst. Wenn er wirklich so interessiert an meinem Leben ist, kennt er diese Adresse gut genug.

Wie ist der weitere Plan?

Frei sein von dieser Scheiße. ENDLICH. Nächste Woche 7 Tage Festival in Budapest. Werde ich mich einsam fühlen? Wie denn, wenn er doch sowieso nie ein inniger Bestandteil meines Lebens war? Und damit meine ich nicht nur die Tatsache dass 300km zwischen uns lagen.

Nach wie vor frage ich mich, wieso er einer Beziehung zugestimmt hat. Aber im Grunde machen das ja viele Menschen…

Sie wollen sich geliebt und begehrt fühlen. In Sicherheit. Und wenn es sie zu sehr stresst, dann sagen sie Adieu.

So schlecht es mir momentan geht, diese seltsame Gelähmtheit und Angst. Desto mehr freue ich mich auf die Zukunft. Wieder daten zu können, und das mit Lust und Spannung auf den anderen Menschen und nicht nur, weil ich mich ablenken will. Darauf neue Männer kennen zu lernen, die wirkliche Zuneigung für mich fühlen, und wo ich nicht ständig das Gefühl habe, dass ich darum kämpfen muss und mich damit zufrieden geben muss, was mir eigentlich nicht reicht.

Auf der anderen Seite sehe ich auch das Positive. Wieviel ich über mein Verhalten gelernt habe. Was ich brauche und was meine Muster sind, die destruktiv sind.

Mein ExEx und der Ex (Wolf) sind zwei Enden einer Skala. Der ExEx der mir alles gab/durch gehen ließ und mich wie eine Prinzessin behandelte. Der Wolfex von dem ich nahm, was ich bekam und der mir zeigte das Lieben nicht mit Brauchen gleichzusetzen ist. Was zieh ich daraus für mich?

Ich bleibe jetzt jedenfalls erst mal Single.

Sag mir was du fühlst

Der Wolf und ich im Gespräch.

Es geht um „Zuneigungsbekundungen“. Mir fehlts, er denkt einmal ist genug. Sehr grob zusammen gefasst.

Was mir nach diesem (im Endeffekt) positiven Gespräch auffällt, ist wie wir schon über fast alltäglichen Beziehungskram „verhandeln“.

Das macht mich glücklich. Wie weit wir schon gekommen sind. Die paar Monate und ich höre immer noch gerne seiner Stimme zu, wenn sie genau diesen Klang hat. Nicht so laut wie sonst, nicht so alltäglich wie sonst. Sondern genau, wie sie ist, wenn er mit seiner Aufmerksamkeit komplett da ist. Dann höre ich manchmal einfach nur seiner Stimme zu, und nicht dem was er sagt.

Er sagt: Vielleicht ist es ja ganz gut, wenn ich der rationale Gegenpol zu deiner emotionalen Art bin.

Ich denke, dass das in erster Linie neu ist für mich. Aber im Prinzip ist es wohl das, an das ich immer wieder knalle. Seine Rationalität, die ich aber oft als Kälte und Emotionslosigkeit deute. Die mich aber gleichzeitig immer wieder auf den Boden holt. Schwierig schwierig.

Wenn er wüsste, wie ich mir immer wieder zusammen reiße, was ich immer wieder für innere Konflikte mit mir selbst austrage.

Mich in den Griff zu kriegen. Mein Temperament zu zügeln. All diesen Kram. In 2 Jahren bin ich doch dann wohl fertig ausgebildet im Beziehungsführen 1 x 1? 😀

Nein im Ernst. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das gerade sehr sehr gut ist für mich. Und auch für ihn. Wie bilden zwei Extreme und es gibt nur den Mittelweg. Wenn wir uns dort treffen, ist jeder für sich, an einem idealen Punkt angelangt was die Beziehungsskills angeht.

Und dann, fragt der Wolf.

Dann dann dann.

 

Mein Opium

Ist es dunkel in mir?

Heute habe ich darüber nachgedacht, was mich glücklich machen würde. Welches Szenario. Wenn ich, wie gerade jetzt, heimkommen würde.

Ist ein Kind? In mir drängt sich das Bild eines schreienden Kindes auf, dass sich voll auf mich fokussiert und bespaßt werden will. Verantwortung 24/7.

Ist es ein Freund wie damals der Ex? In mir drängen sich Erinnerungen an alltägliche Konflikte auf, Gereiztheit die der jeweils Andere an dem Anderen ausließ.

Ist ein Kind zu sein? In eine Familie zu kommen, wo man ein Glied in einer Kette ist? In mir drängen sich Bilder von Eingeschränktheit und Bevormundung auf (nicht weiter schlimm, aber wie das eben so ist, wenn man Kind ist und nicht viel zu melden hat..). Zero Verantwortung.

Ich liege in meinem Bett nach einer stressigen Woche, voller emotionaler Aufs und Abs und schaue dem Vorhang zu, wie er sich im Wind bewegt.

Alleinsein. Hm gerade eigtentlich ganz gut. Zeit zum Erholen. Ich sein. Trotzdem ist mir gerade nach Austausch, anderes hören.

Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, dem nachzugehen. Nicht zu warten, bis das Bedürfnis mich auffrisst. Nicht zu warten, dass jemand sich meldet. Nicht zu warten, wann das nächste soziale Event stattfindet. Jetzt.

Ich habe Freunde. Und ich sollte sie nutzen. So wie sie es auch machen.

Also rufe ich eine von ihnen an. Wir telefonieren 1h15. Ich lache. Höre zu. Das ist einfach gut.

Dann kann ich gerade das allein sein schätzen.

Ich frage mich, was ich brauche. Ich bin immer so hin und her gerissen.

Ich denke über meine Beziehung nach. Es gibt nur aushalten oder gehen.

Gibt er mir was ich brauche? Gibt es das überhaupt in einer Beziehung?

Ich brauche nach wie vor einen Mann, der mehr…….bei dem ich mich zuhause fühle. Andererseits ist das auch gefährlich gewesen für mich. Ich habe mich nicht mit anderen auseinander gesetzt. Freundschaften blieben und WURDEN oberflächlich. Vor Konflikten in der Familie bin ich geflohen.

Der Ex war mein Zuhause. Ich hab mich bei ihm versteckt. Seine Liebe hat mich überschwemmt. Er war mein Opium. Ich habe alles andere damit betäubt.

Am Ende wusste ich nicht mehr wer ich war. War ich er? War ich seine Familie? Wo komme ich her? Warum ist das alles so? Wer bin ich ohne ihn? Bin ich dann noch da?

Seine Augen. Seine Wimpern. Sein Mut.

Ich ließ mich fallen.

 

Aber nun sind wir fremd. Ich habe die Beziehung beendet und er die Verbindung.

Nun bin ich in einer Beziehung, in der ich mich wie immer frage Ist das richtig?

Dieser Mann ist anders. Ich bin nicht seine Prinzessin. Er legt mir nicht die Welt zu Füßen.

Mit ihm hat Liebe nichts mit brauchen zu tun.

Eine Lektion, mit der ich hadere. Denn es fehlt mir. Ich fühle mich fremd. Bis ich ihn über seine Grenzen treibe und seine Tränen sehen und wegwischen kann.

Ich frage mich: Werde ich jemals zufrieden sein?

Ich frage mich: Warum muss ich jemanden verlieren, den ich liebe?

Ich und …….. .

Er verzeiht mir diese Trennung nicht. Ich lese seine Nachricht, ich kam gerade nach Hause. Ich sitze und erstarre vor Schmerz.

Ende.

 

Mixed pickles

Es fällt mir schwer darüber zu schreiben, denn es ist ein schmaler Grat.

Ich will nicht viel über das Wie verlieren. Nur bin ich am Nullpunkt angelangt.

Der Wolf liegt bei mir im Bett und weint. Das ist kein stummes Tränen vergießen mehr.

Vieles führte dazu und der Grund bin nicht nur ich. Aber ich bin auch ein Grund.

Der Kreis schließt sich. Dachte ich immer der Wolf wäre beziehungsunfähig. Nicht reif genug, bereit genug, enden wir an meiner Unfähigkeit.

Ich kasteie mich hier nicht selbst und lade alle Schuld auf mich, doch mein Verhalten ist ein Muster, dass immer wiederkehren zu scheint und den jeweiligen Mann zum Verzweifeln bringt. Ich scheitere daran. So viele Unzulänglichkeiten und Unsicherheiten der Wolf auch haben mag.

Ich führe die Beziehung zu einem Ende. Ich provoziere das Ende herbei, durch Verhaltensweisen. Nur um ihn dann, wenn der Rand der Klippe erreicht ist, wieder an mich zu ziehen.

Um es in der frauenverachtenden Pick-up-Sprache auszudrücken : Mein Verhalten gleicht einem riesigen Shit-Test um ihm an Ende wieder näher zu kommen. „Ah, du bist nicht gesprungen.“ „Ah, du hast mein Verhalten ertragen, du bist trotz allem noch da, also musst du mich wohl mögen.

Das ist die Logik dahinter: Ich behandle dich schlecht, du bleibst, also bin ich es wert.

Diesen großen starken, unabhängigen Mann mit roten und verheulten Augen zu sehen ist mein Liebesbeweis.

Ich bin etwas wert, ich sehe seine Gefühle nun, da ich anscheinend nicht im Stande bin sie zu fühlen.

So verlief meine letzte Beziehung – jahrelang.

Und nun wiederholt sich dieses Muster. Und suche ich mir einen neuen Mann, wird es sich wieder wiederholen.

Soll ich mich fragen, warum ich so bin?

Ich denke die Ursache ist Angst.

Hallo i bims – bindungsgestört.

Aus der Bahn

Diesen Beitrag verfasste ich schon am 15.Juli und veröffentlichte ihn aber nie, in der Hoffnung das…


Fakten

Ich denke er ist nicht der richtige Mann für mich. Warum?

Tja, man lernt sich besser kennen INNERHALB einer Beziehung. Und zwar nicht nur Verhaltensweisen, sondern auch Charakterzüge.

Betrachte ich das mal nüchtern. Gefallen mir diese Züge nicht:

  • Fehlende Verlässlichkeit
  • Kein Ehrgeiz Dinge zu erreichen
  • Er regt sich extrem auf über Kleinigkeiten und das hält lange an
  • Er verweist mich still zu sein, wenn er etwas im Radio etc hören will
  • Er beschützt mich nicht
  • Er ist nicht aufmerksam, nimmt mir Gepäck ab etc.
  • Er ist extrem konfliktscheu
  • Seine Rechtschreibung….also ich stehe nicht auf Perfektion, aber….manches tut einfach weh zu sehen
  • Er macht mir keine Geschenke. Eins in 2 Jahren. Ich bin auch hier sicher kein Gold Digger, über einen selbst gepflückten Strauß Blumen freue ich mich genauso wie über die teure Handtasche. Isso.
  • Er gibt mir keine Sicherheit
  • Schreibt mir nicht oft genug, zu wenig Aufmerksamkeit

 

Das sind die Fakten. Manches habe ich „umschrieben“, da es sonst zu privat würde, deswegen sind manche Punkte etwas oberflächlich gehalten.

Ich denke auch, dass mir die wahre Liebe fehlt. Da ich auch hier…wie immer nicht an eine langfristige Zukunft denke. Also mit langfristig meine ich…ich male mir aus, wie wir unser Leben bis ans Ende teilen. So n Kram.  Ich kann sie mir nicht vorstellen. Ich wünsche sie mir nicht. Ich habe auch nicht mehr dieses heftige Bedürfnis nach ihm. Und ein ganz wichtiger Punkt hat sich verändert:

Ich will nicht mit ihm gesehen werden. Ich leugne ihn.

Das ist wirklich krass und hat mich selber überrascht, dass ich so reagiere.

Es geht gerade um Sex. Um Zuneigung. Aber ich gaukel mir die Wahrheit selbst vor: Das er derjenige ist. Ich lass mich gerade selbst ein wenig verlieren in ihm.

Er ist kein guter Freund. Er sagt dazu, ja ich weiß. Das macht ihn noch unattraktiver. Dieses „Ja ich weiß“ wirkt so motivationslos und lasch.

Boah, bin ich desillusioniert. Aber danke, manchmal will man etwas so sehr und wenn man es dann hat, ist man enttäuscht. Ist vielleicht so ähnlich wie nach Deutschland zu kommen.

Ok, jetzt mal im Ernst: Wir haben es versucht. Ich bin dankbar und froh, diese Chance gehabt und genutzt zu haben. Denn der Wolf ist trotzdem jemand der mich lange interessiert hat.

Aber ja……dieses Ende ist so undramatisch und schlicht. Eben wie ein schnörkelloses:

Computer says „No.“.


Das war damals meine Entscheidung. Die ich aber nicht durchzog. Jetzt hat er sie mir abgenommen.

Und ich bin trotz dieser oben beschriebenen Zweifel am Boden zerstört.

Nähe aus der Ferne

Mir geht es gut.

Ich führe eine Fernbeziehung. Mit einem Wolf. Und es funktioniert. Sag ich jetzt einfach mal so. Aus dem Bauch heraus.

Wir telefonieren. Lange. Am Ende des Anfangs bekomme ich eine Art Down. Fühle mich fremd. Wer ist das da eigentlich? So lange nicht gesehen…Unsicherheit, Angst, Angst sich da in etwas fallen zu lassen, was nichts ist.

Also werde ich still. Aber rede über dieses Gefühl. Er holt mich raus. Wir reden über uns. Ich weiß es ist seltsam, aber das ist es, was mir wieder ein gutes Gefühl gibt. Der zwanglose Talk über das Wochenende, das ich so und so verbrachte (es war wahnsinnig toll!!), über Freunde, Familie und Mitbewohner, über Sprachen und Bücher. Okay. Das können wir. Und das ist mehr als einige können. Aber das allein gibt mir nicht das Gefühl in einer Beziehung zu sein. Sondern in einer Freundschaft. Auch wenn es um Sex geht, in Worten/Bildern etc, gibt das mir das nicht das Gefühl in einer Beziehung sein. Ich brauche den Beziehungstalk. Ich hasse dieses Wort, das sich anhört wie hängengeblieben in den 90ern. Oder sagen wir Barbara Salesch-Vera-am-Mittag-2005.

Wie soll ich das beschreiben? Es braucht Tiefe. Es braucht ein wenig Gesäusel.

Wolf: Ich vermisse dich.

Ja, das muss ich hören. Zuwendung übers Telefon.

Seltsam, oder? Es ist alles so abstrus auf eine Art. Wie wir uns kennen gelernt haben. Wir waren uns durch die körperliche Beziehung nah, aber emotional sind wir uns nie so nah gewesen wie jetzt. Sich durch eine Fernbeziehung näher kommen. Hm. Seltsam, oder?

Vergeben oder vergebens (Teil 2 von 1000)

Wolf: Lauf nicht immer davon. Bleib bei mir. Ich werde nicht weglaufen. Aber deiner Entscheidung auch nicht im Weg stehen. Ich will dich.

Ja, was soll ich sagen. Dass das genau die richtigen Worte sind. Für mich.

Er redet mit mir über Gefühle. Seine. Das bringt mir sehr sehr viel.

Er stellt mir dir Frage, die ich ihm kürzlich stellte. Was soll ich sagen? Was soll ich sagen, was doch eh schon jeder weiß, der diese Geschichte von uns verfolgt, seien es Freunde oder Leser dieses Blogs (was sich übrigens nicht gegenseitig ausschließt 😉 )

Es ist eindeutig, dachte ich immer.

Er kennt mich mittlerweile so gut, er reagiert auf mich immer so gut. Er nennt mich temperamentvoll, wechselhaft und hat Recht damit.

Es fällt eine Last von mir, als ich es ihm endlich sagen konnte. Ich hätte nicht gedacht, dass es sich so anfühlen würde.

Aber es war wohl nötig.

Er versucht mir manchmal seine Gefühle mit Metaphern, Liedern und Zitaten zu erklären. Die ich nicht verstehe. Also mache ich mir die Mühe und lese sie nach, den Kontext. Daran merkt man deutlich, wie er (im Gegensatz zu mir) über Gefühle, und zwar über seine nicht gut sprechen kann. Sagen wir, nicht gut, in dem Sinne, dass ich sie ohne Weiteres verstehen kann.

Er ist so unglaublich vorsichtig, wenn er darüber spricht. Während ich zu Gefühlsausbrüchen neige.

Langsam kommt in mir die Idee, dass ich tatsächlich nicht immer davon laufen sollte. Dass er es nie ist.

Was ist denn Liebe? Ist sie für meinen Begriff wirklich so uneigennützig? Ist es die Sicherheit, der Anspruch an den jeweils anderen. Man sagt Ich liebe dich, der andere antwortet Ich liebe dich auch. Und dann ergeben sich dadurch wechselseitige Erwartungen und Pflichten, die erfüllt werden müssen wie nach Abschluss eines Vertrages.

Ist das Liebe?

Oder ist Liebe nicht einfach ohne Sinn. Da und einfach existent, ohne das Verlangen nach der Erfüllung von Bedürfnissen. Ich meine damit natürlich nicht, dass man alles mit sich geschehen lässt. Oder liebt man so uneigennützig nur seine Familie?

Ich will den Wolf und er will mich. Wenn das die Wahrheit ist, dann kann ich damit leben.

Und weitermachen. Ziemlich glücklich sogar.

Auch wenn es immer schwierig sein wird. Denn größere Gegensätze, bei dann doch so viel Ähnlichkeit, das ist schon interessant. Er muss sich auch weiterentwickeln. Er muss lernen, auf mich zuzugehen, nicht nur abwartend stehen bleiben, nicht mehr ausschließlich an seinen Willen zu denken, seine Gefühle formulieren und aufmerksam zu sein. Ich muss lernen geduldiger zu sein, empfindsamer, weniger auf mich selbst fokussiert sein und weniger aufbrausend. Wir sind geradezu prädestiniert dazu, aneinander zu wachsen. Und das ist doch, was eine Beziehung ausmacht oder?

Bei meiner letzten Beziehung musste ich nicht wachsen. Ich bin stehengeblieben. Das war auch der Punkt, warum ich bei all dem vermeintlich Guten nicht mehr glücklich war. Ich war in Watte gebettet. Warum auch nur einen Schritt machen, wenn man bedient wird? Das hört sich furchtbar fies an, aber im Grunde fehlte das.Trotzdem bereue ich nichts. Witzig ist nur, dass obwohl ich alles bekam und hatte, trotzdem nicht glücklicher war. Es trotzdem nicht weniger schwierig war.

Es hängt auch von mir ab. Auch.

Selbsterkenntnis nach 9 Jahren. Wow. 😀 Naja, wozu sonst kann der Mensch fast 100 Jahre alt werden?

Diese Erkenntnis wird mir immer bleiben. Selbst wenn das mit dem Wolf nicht klappt am Ende, diese Erfahrung war es wert.

 

 

Ach, und den hervorragenden Sex.