Sabotage!!

Letztens habe ich in meinem (handschriftlichen) Tagebuch den Satz „Vertrauen Sie in Ihr Leben, und das sich immer Neues ergeben wird.“ gelesen.

Dieser Satz hat so viel Tröstliches. Denn wenn ich zurück blicke, stimmt er absolut. Corona kam und die ersten Monate verbrachte ich sehr intensiv mit dem Handwerker, mit dem ich mich die ersten 14 Dates sehr wohlfühlte. Außerdem verbrachte ich den ersten Lockdown jeden Samstagabend mit einer Kollegin, die ich an diesen Abenden ziemlich gut kennen- und schätzen lernte. Manchmal vermisse ich diese absolute Regelmäßigkeit von damals sogar.

Im zweiten Lockdown lernte ich dann Giovanni kennen, vorerst online, doch selbst das hat mir sehr gut getan und geholfen, mich aus dieser toxisch gewordenen Dating-Spirale herauszuholen. Und jetzt haben wir uns ja tatsächlich getroffen. Es ist so schön auf dem Blog den allerersten Beitrag (Dezember 2020) über ihn zu lesen, und zu sehen, wie sehr ich da überhaupt nicht daran geglaubt habe, dass wir uns überhaupt jemals sehen werden. Vor ein paar Tagen haben wir den Flug Neapel – Frankfurt gebucht und ich freue mich unglaublich ihn wiederzusehen!

In den letzten Tagen überkamen mich manchmal Zweifel. Nicht nur das klassische „Wo führt das hin?“ (Und das ist hier wortwörtlich gemeint), sondern auch meine Ängste. Auch Giovanni ist nicht perfekt. Hat Eigenschaften, die mich nerven. Mir fällt es furchtbar schwer, dass nicht auf mich zu beziehen. Und dann die ganze Beziehung vollständig in Frage zu stellen. Es ist manchmal fast so, als würde mein ängstliches Herz jeden Fauxpas seinerseits als hinreichende Bedingung interpretieren, dem Ganzen den Garaus zu machen. Á la: Er bucht den Flug heute nicht und ist lieber am Meer??? Ihm muss es wohl vollkommen egal sein!!!

Was einfach nicht stimmt.

Aber genau das läuft dann in meinem Kopf ab.

Und das „Wo führt das hin?“- hat mich die Tage auch mehr beschäftigt als sonst. Besteht unsere Zukunft jetzt also ständig aus Flüge buchen und am Telefon sein? Wie und wann lernen wir uns dann eigentlich weiter kennen? Unseren Alltag, all das Zeug.

Was will ich eigentlich für eine Zukunft? Und woher sollen wir sowieso wissen, was kommt?

Giovanni kommt mir manchmal wie ein stoischer Esel vor, der einmal eine Entscheidung gefällt, weitergeht und geht und geht. Und manchmal werfe ich dann mein Unsicherheitsgepäck auf ihn, damit er es eine Weile trägt.

Bis ich wieder kann.

Träume

Heute habe ich von dem Wolf geträumt. Mein damaliger kleiner Liebesepos. Es ist erstaunlich, wie Träume einem exakt das Gefühl wiedergeben können, das man damals hatte. Das heißt für mich, dass obwohl ich schon lange über diese Geschichte hinweg bin, die Gefühle aber immer noch in mir sind. Irgendwo werden sie gelagert und bewahrt und sowas wie ein Traum kann sie wieder hervorholen und ich wache mit diesem Gefühl wieder auf.

Zu ihm hatte ich ein vertraut geborgenes Gefühl, immer durchsetzt mit Unsicherheit und sich nicht vollkommen angenommen fühlen. Und dann aber wieder doch. Letztlich habe ich die Liebe und mich durch ihn damals wieder ganz neu gespürt. Nach dieser langen langen siebenjährigen Beziehung davor.

Damals war mir noch nicht bewusst, dass der Wolf kein Arschloch ist, sondern wir beide unter massiven Unsicherheiten „litten“, ich noch viel mehr als er. Und er war kein Fels in der Brandung, wie mein Ex davor, auf dem ich stranden konnte, sondern er selbst war ein Segelboot, immer in Bewegung und frei. Auch gespeist durch seine persönlichen Unzulänglichkeiten.

Und ich war meistens ein Tornado, der das Boot oft genug umgeworfen hat.

Ich konnte damals noch nicht ahnen, was es heißt einem echten Arschloch zu begegnen. Männer, die wirklich null an mir interessiert waren. Gestern habe ich mit Giovanni darüber gesprochen. Dieses Zusammentreffen von zwei Menschen, die sich eigentlich gar nicht (wirklich) sehen wollen und sich nur das abschöpfen, was sie selbst für ihre kurzweilige Unterhaltung oder Wohlbefinden benötigen.

Zurück bleibt Leere.

Am Freitagabend bin ich wieder auf so einen Mann gestoßen, Gott sei Dank nicht im Datingkontext, er kannte jemanden den ich kannte und hat sich draußen zu uns gesetzt. Wie er über Dating (Menschen treffen) und Frauen sprach, repräsentierte all das, was ich oben beschrieb. Das Ablehnen von Tiefe und Verbundenheit unter dem Deckmantel irgendeiner Freiheit. Für Personen wie ihn bedeutet Tiefgründigkeit, wenn sie eine Nacht unter Sternenhimmel und Wein, angedüselt über den Sinn des Lebens und ihre Kindheit faseln. Und am nächsten Tag bedankt man sich für den Deep Talk und swipt weiter. Wo auch immer. Auf Tinder, auf Insta, im Leben.

Ist ein Abend wie dieser verwerflich?

Nein, denn auch kleine, kurzweilige Momente wie das bereichern unser Leben. Doch Verbundenheit, Zusammenhalt und Tiefe sind keine altmodischen Modeerscheinungen, sondern menschliche Bedürfnisse, die eigentlich nicht als uncool oder cool, angesagt oder altbacken begriffen werden können oder sollten.

Mit diesem besagten Typen entwickelte sich schnell eine große Antipathie an diesem Abend, weil ich es nicht ganz lassen konnte, mit ihm eine kleine Diskussion zu starten. Auch andere Dinge störten mich: Ich gab meinem Bekannten eine Zigarette von mir (Corsett Corals) und er machte sich über ihn lustig, weil er ja jetzt Weiberzigaretten raucht.

Dieser Mann ist ein Paradebeispiel dafür, wie jemand nicht in Kontakt zu sich und seinen Gefühlen steht. Aber gut, ich muss ihn ja niemals wiedersehen und da wir auch kein Match waren muss ich mir auch keine höfliche Absage-SMS ausdenken 😀

Ich merke aber schon, was diese Zeit mit mir gemacht hat. Ich fühle sehr wohl eine Bitterkeit und Traurigkeit wenn ich an die Erfahrungen der letzten drei Jahre zurückdenke. Dafür kann auch der Stoffel von Freitagabend nix. Manchmal habe ich Angst, wieder dahin zurück zu müssen, wenn das mit Giovanni und mir enden sollte.

Ich werde aber nie wieder auf diese Art und Weise daten. Never ever again. Ich würde immer Apps und soziale Medien dafür weiter nutzen (Wie hätte ich sonst Gio kennen gelernt?), aber ich wäre viel mehr bei mir und würde mit aller Kraft dazu stehen, was ich will und brauche. Da ich das jetzt auch viel mehr weiß.

Mit Giovanni bin ich weiterhin glücklich, auch wenn ich es realistisch sehe, dass das war wir haben, auch keine klassische Beziehung ist. Aber jeden Tag bin ich glücklich ihn zu hören, zu sehen, jeden Tag zeigt er mir seine Zuneigung, sein Interesse. Dadurch gibt er mir auch den Raum, meinerseits Gefühle und Zuneigung zu zeigen. Und ich komme mir trotz der Distanz nun nicht mehr ganz so dumm vor, da ich ihn nun schon getroffen und gefühlt habe. Und weiß, dass es echt ist.

Gestern fragte er mich, ob ich mich besser fühlen würde, wenn er es ausspricht. Dass wir ein Paar sind. Kurz fühlte ich mich wieder wie ein Teenager (schreibt hier eigentlich ne Oma???). Aber ja, aber nein, aber ja. Ich brauche es bei ihm nicht. Weil das Gefühl eindeutig genug ist.

cry

Ich wache auf und seitdem ist der Tag durchbrochen von meinem Weinen. Es war hart das Bett zu verlassen. In dem ich bis etwa 8 Uhr lag und mich versuchte mit einer Tasse Grüntee mit Zitrone und einem Buch zu beruhigen. Doch ich habe gerade kein Buch, das mir gut tut. Die unbeschwerte Leichtigkeit des Seins von Milan Kundera zieht mich irgendwie konstant runter. Moderner Klassiker hin oder her. Das zweite Buch das ich gerade lese von Peter Reich „The Book of Dreams“ behandelt gerade das Begräbnis seines Vaters…

Uahch….also stehe ich auf, mache mein Bett, kümmere mich darum die Tränen vom Gesicht zu waschen und pflege es mit allerlei Cremes und Tinkturen. Die doch sowieso später wieder von meinen Tränen runtergespült werden. Ich mache 20 Minuten Yoga, zwinge mich mit aller Kraft zu meditieren und danach geht es mir besser. Das ist immer so. Ich schöpfe Kraft ein paar Dinge im Haushalt zu erledigen, trinke weiter Tee und überlege spazieren zu gehen, nachdem ich den Müll rausgebracht habe. Doch es setzt, wie die Tage zuvor, starker Regen ein. Zurück, kümmere ich mich weiter um ein paar Dinge und breche in Tränen aus. Ich bin heute krankgeschrieben. Meinem Körper geht es einfach nicht gut. Am Sonntag war ich eine Freundin besuchen, und auch da Regen, endlos, und im Zug zurück die Klimaanlage voll aufgedreht und ich in meinen nassen Sachen habe mir da wohl eine Erkältung geholt.

Also bin ich jetzt zuhause und weine komisch vor mich hin- ich fühle mich einsam, krank allein zuhause und das seltsame ist: Ich weine besonders, wenn ich von Giovanni höre, der sich immer wieder nach mir erkundigt und nach mir fragt, zeigt was er macht, sagt, dass ich ihn immer anrufen kann, er ist immer da für mich.

Er ist gerade am Meer und als ich ihm viel Spass wünsche, fragt er mich: Sei arrabbiat‘? Bist du sauer?

Er hat verrückterweise auf eine Art ein schlechtes Gewissen, dass er einen schönen Tag am Meer hat und ich einsam und alleine, kränkelnd im regnerischen Deutschland sitze.

Ich weine aufgrund soviel Liebheit. Er schickt mir über Amazon ein Geschenk aus Italien, das heute ankommen soll. Ich weine irgendwie wie eine Blöde, weil ich diese Zugewandtheit gar nicht mehr kenne. Ich beweine die Vergangenheit, in der ich so viele vergebliche Kämpfe geführt habe um Aufmerksamkeit und Nettigkeit. Und wie ich das alles ertragen konnte. Freiwillig. Ich weine auch aus Angst, da das mit ihm auch alles ganz schnell wieder vorbei sein kann und Aus ist und weil man sich ja an alles gewöhnt. Ich weine glaube ich auch, weil ich befürchte mich an das Gute zu gewöhnen oder mich frage, wann ich denn diesmal wieder enttäuscht werde. Dieses Gefühl „Zu gut um wahr zu sein“ ist manchmal stark präsent. Dabei ist das Unsinn. Der Mann ist 1000 km entfernt, also wenn das kein Haken ist…

Wie auch immer. Jede Liebenswürdigkeit bringt mich heute zum Heulen. Sehr seltsam, aber wohl nötig um alles zu verarbeiten, was war und auch was ist.

Italien: Pink

Teil 1 findest du hier.

Ich beschließe nun endlich die Tür zu öffnen, denn langsam wird es im fensterlosen Bad stickig und die Aufregung lässt mich wahnsinnig werden. Ich reiße die Tür auf und will rausstürmen, um es hinter mich zu bringen. Doch er war quasi an die Tür gelehnt, als er durch die Tür mit mir gesprochen hat. So knallen wir jetzt quasi gegeneinander und ich halte die ganze Zeit mein Gesicht gesenkt, weil mir alles furchtbar peinlich ist. Ihr müsst euch vorstellen: All die Monate haben wir miteinander gesprochen, ich habe wirklich alles mit ihm geteilt. Momente der Einsamkeit, der Freude, der Lust. Durch die Distanz fällt es mit der Zeit einfacher, Dinge zu teilen und man gewöhnt sich an diese einzigartige Situation der Nicht-Nähe verbunden mit großer Intimität.

Und nun stehen wir voreinander, oder beieinander, er nimmt mich sofort in den Arm und hält mich fest umschlungen. Er küsst mich zahllose Male auf die Stirn, denn immer noch halte ich mein Gesicht wie eine keusche Jungfrau unten und wage es gar nicht ihn richtig anzuschauen. Ich erkenne den Geruch seines Parfums aus den Briefen, ich sehe seine Hände, die ich so wunderschön finde und so oft in Videochats gesehen habe. Er hält mich fest, schiebt mich ein bisschen von sich, um mich besser sehen zu können und jetzt kommt mein neurotisches Ich zum Vorschein, um nicht weiter wie eine Salzsäule zu Boden zu starren: „Weißt du was, wie wäre es wenn wir dir deine Lippen nachziehen. Du weißt, wie sehr ich deine Lippen mag!!“

Ich ziehe ihn aufs Bett, wir sitzen nebeneinander und ich färbe seine Lippen mit demselben rosarot, das ich gerade trage.

Giovanni ist wie immer, ruhig und macht das mit, da er weiß, dass dies eine Übersprungshandlung ist von mir, da ich es nicht ertrage sich jetzt so seltsam anzustarren die ganze Zeit und ich etwas tun muss. Außerdem ist er ein Mann, der selten Nein sagt zu irgendwelchem Unsinn. Vielleicht ist er auch einfach nur pragmatisch, denn er sagt: Ja, nur zu, irgendwann wird dein Lippenstift sowieso auf meinen Lippen sein. Erledigen wir es also gleich…

Ich sitze also mit ihm gemeinsam auf dem Bett, schminke ihn und langsam beruhige ich mich. Ich kann seine Nähe wahrnehmen, während ich das tue, ihn in Ruhe anschauen, ohne dass es zu starrig ist und alles ist gut.

Ich spüre sofort, dass ich ihn anziehend finde, wie er da neben mir sitzt, in seinen Hosenträgern und Ruhe und Selbstbewusstsein ausstrahlt. Selbst mit strahlend rosaroten Lippen. Irgendwann küssen wir uns und ich bin erleichtert, denn auch hier, stimmt die Chemie absolut,

An diesem Tag verlassen wir das Zimmer und das Bett gar nicht mehr. Ich bin erschöpft, aufgeregt, erleichtert, angezogen, ausgezogen und dieses Gefühl, dass wir uns so gut kennen, durch all die Monate des Gesprächs muss langsam gleichgesetzt werden, mit der Realität, mit dem Physischen. Endlich endlich endlich.

Am Abend holt er Pizza und ich schwebe auf Wolke 7. Ich bin weder angespannt, noch komisch, noch schäme ich mich für irgendwas. Er sagt mir immer, ich soll ihm alles sagen, was ich brauche, egal was es ist und er wird das wirklich sämtliche Tage auch so machen.

cut

Eigentlich wollte ich eine kleine epische Fortsetzungsreihe verfassen. Wie sie nach dem ersten Teil und dem kleinen Cliffhangerchen ja nur allzu gerecht und erwartbar wäre. Doch die Wahrheit ist: Ich kann es nicht. Es ist nun schon ein bisschen Zeit vergangen seit meinem Aufenthalt in Neapel.

Und meine Gefühle und meine Gedanken kommen dem Verfassen einer chronologischen Story in die Quere. Teil 2 ist schon anverfasst. Aber irgendwie fühlt es sich komisch an.

Ich bin in Deutschland. Und um es kurz zu machen: Ja. Ich mag ihn sehr. Das Treffen war schön, es war alles da. Aufwachen und das Meer vor der Nase, ganz nah. Aufwachen und der Mann liegt neben mir und sieht mir beim Aufwachen zu. Oder noch länger. Zwischen uns hat sich die Chemie, die sich virtuell über so viele Monate aufgebaut hat, mit in die Realität verfrachtet und bestätigt.

Ich habe nicht nur ihn, sondern auch seine Familie kennen gelernt. Ich war umgeben von so vielem Neuen, dass ich am 2. Tag irgendwie unter Schock stand. Weil keine Zeit zum Durchatmen blieb. Und weil in Neapel jeder ständig zu atmen scheint, aber nie alleine. Die einzige Zeit, in der ich kurz mal alleine war, war als ich vor der Polizeistation auf Giovanni gewartet habe, aber das ist eine andere Geschichte. Eine typisch neapolitanische, aber sei´s drum.

Vielleicht bin ich auch müde diese Story von Giovanni und mir en detail niederzuschreiben, da ich sie nun sehr oft erzählt habe, und am Ende jeder Erzählung fragt mich mein Gegenüber immer: Und jetzt?

In den unterschiedlichsten Varianten.

Kannst du dir vorstellen in Neapel zu leben? Kann er sich vorstellen in Deutschland zu leben? Wann seht ihr euch wieder? Wie soll das weiter gehen? SEID IHR JETZT EIN PAAR?

Auf nichts davon habe ich eine Antwort parat. Und je nach Tagesform, würde ich das alles auch unterschiedlich beantworten, mit unterschiedlichen Tendenzen. Fakt ist, dass ich nach meiner Reise sehr glücklich war. Dass ich jede Berührung, jeden Kuss genossen habe, geliebt habe. Fakt ist, dass das alles natürlich eine Beziehung ist, aber keinesfalls eine normale.

Und deswegen passiert es leicht, dass ich mich runterziehen lasse, nicht von den Fragen, aber dass ich keine Antwort auf sie habe. Und keinen Plan.

Mit ihm geschah folgendes: Ich fühlte mich authentisch. Ich fühlte mich natürlich. Ich fühlte mich wohl.

Und jetzt tritt ein, was eine andere Art Kummer ist, als das ewige Zurückgewiesen werden, das Komische Hinhalten von Männern, oder das unstete, das inkonsequente Verhalten. Nein nein.

Es ist das Vermissen und das Wünschen und das Unsicher sein, ob das alles Sinn ergibt so und das Wissen, dass man Nichts weiß.

Giovanni ist warmherzig und verantwortungsbewusst. Wäre er hier, wäre er mein Freund.

Uns fehlen aber immer noch viele Stückchen. Des jeweils anderen.

Als ich im Flugzeug zurück nach Deutschland saß, liefen mir die Tränen übers Gesicht. Weil mir all die Wärme auf einen Schlag entzogen wurde.

Wie furchtbar kitschig, und in Teilen nicht von mir, aber Giovanni erinnert mich an Liebe.

Aber wir sind nicht zusammen. Und ich habe keinen Masterplan. Es existieren nur Wörter wie bald, nächstes Mal, September und vermissen.

Ist dies die Zukunft, auf die ich mich einlassen will? Oder war dies eine hervorragende kleine Lovestory, die mich seit über einem Jahr aus dem modrigen Dating-Sumpf herausgeholt hat?

Italien: Ankunft

Am Tag vor der Abreise war ich eigentlich ziemlich entspannt, bis ich eine SMS von Lufthansa bekam: Please check your mails.

Mein Flug wurde einfach mal gute 10 Stunden nach vorne verlegt!! Das heißt, alles was ich mir noch vorgenommen hatte, wie Nägel machen, noch letzte Besorgungen machen für meine Rückkehr, bisschen aufräumen, musste ich nun in das verbleibende, viel kleinere Zeitfenster quetschen oder ganz ausfallen lassen. Andere Dinge hatten Priorität- wie mich zum Beispiel testen zu lassen. Dass mich später niemand danach fragen würde, habe ich zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht geahnt.

Jetzt hieß es am nächsten Morgen um 4:30 Uhr aufstehen. Das Adrenalin ließ mich schon um 4 Uhr erwachen. Ich nahm einen Haufen Essen mit, das ich aber vor lauter Aufregung die ganze Zeit nicht anrühren konnte. Ich hetzte im Morgengrauen im Regen und einer seltsamen tropischen Hitze zum Zug zum Flughafen. Meine Frisur und mein Make-up lösten sich im Regen und Schweiß auf. Wann immer die Zeit war, hielt ich ihn auf dem Laufenden. Meine Freunde und Eltern wünschten mir viel Glück. Ich war so fixiert darauf anzukommen, alles zu finden etc, dass ich die ganze Zeit gar nicht wirklich darüber nachdachte, was ich da eigentlich mache. So war ich schon immer. Unter Stress und Anspannung dieser Art, bin ich am konzentriertesten. Hellwach.

Alles klappte wie am Schnürchen. Ich landete pünktlich in Neapel. Beim Ausstieg haute mich die Hitze und die sengende Sonne Süditaliens fast um, ich noch gekleidet für das komische regnerische deutsche Morgenwetter. Ich hatte mit ihm vorher noch vereinbart, dass ich mir ein Taxi alleine vom Flughafen nehmen würde. In diesem verschwitzen, aufgeregten und dann doch gestressten Zustand will ich ihm wirklich nicht das aller erste Mal begegnen. Außerdem lag das Hotel nur 10 Autominuten vom Flughafen entfernt. Er war davon gar nicht begeistert: Die sehen doch, dass du eine Touristin bist, die werden dich ausnehmen!!!!!

Puhhh, keine Diskussion, bitte. Er bestand jedoch darauf, dass er mit den Taxifahrern sprach, die mir 30 Euro abnehmen wollten. Ich stellte meine Handy auf laut und (meiner Meinung nach) schrien sie sich erst mal gegenseitig an. Bis der Fahrer mir deutete aufzulegen.

Und mich stehen ließ.

Gio: Ladri!!!! (Diebe) Ich komme jetzt und hole dich ab, ich bin gleich da!!!

Ohhhh nein nein, du durchkreuzt jetzt nicht meinen Plan einer kalten entspannten Dusche und eines kühlen Wassers, nur weil du dich in deinem italienischen Stolz verletzt fühlst!

Kurzerhand suchte ich mir einen anderen Fahrer, der mir einen Preis von 25 EUR nannte, ich sagte vielleicht, nannte ihm die Adresse und stieg ein. Während der zehnminütigen Fahrt musste ich mich fast übergeben. Start und Landung mit dem Flugzeug waren nichts gegen diese wilde Fahrt. Plötzlich hielt er am Straßenrand öffnete die Tür und ich fragte mich kurz, ob er mich jetzt im Nirgendwo rausließ. Ich gab ihm 20 Euro anstatt 25, was er dann doch akzeptierte, vielleicht weil ich mich während meiner Versuche mich während der Fahrt nicht zu übergeben, mich mit ihm mit ein paar Brocken tiefsten Neapolitanisch unterhielt und er das sehr unterhaltsam fand. 20 EUR für 10 Minuten sind dennoch ein sehr gutes Geschäft. Für ihn.

Ich schleppte mich völlig ausgezehrt in das Hotel an die Rezeption. Die Dame kam irgendwann und begrüßte mich. Doch dann klingelte das Telefon. Un attimo (einen Moment) und sie nahm das Gespräch entgegen. Währenddessen musterte sie mich und sagte: Una donna bionda? (Eine blonde Frau?)

Dann legte sie auf und gab mir den Schlüssel. Aha, Gio war also wirklich die ganze Zeit am Werk (das Hotel ist auf seinen Namen reserviert).

Ich ging aufs Zimmer und beinahe sofort weiter in die rettende Dusche. Ich war eine Vollkatastrophe.

Und nun aber auch so RICHTIG aufgeregt, denn jetzt, nachdem alle Hürden genommen waren, realisierte ich endlich, dass ich gleich den Mann treffen würde, mit dem ich seit Monaten schreibe und noch nie gesehen habe. Deshalb bin ich hier!! VERDAMMT!!!!!!!

Er schrieb mir immer wieder, er konnte es kaum aushalten, vor Neugier, nun da er wusste, ich bin da, ich bin angekommen und alles was er noch tun konnte war warten. Schließlich war er in der Hotellobby. Aber ich war noch nicht fertig und um ehrlich zu sein, bekam ich nun richtig Muffensausen, Angst, meine Nervosität war unfassbar. Er meinte schließlich, dass ich ihn doch zumindest kurz ins Zimmer lassen könnte, damit er den Champagner in den Kühlschrank stellen kann. Ich könne ja im Bad bleiben solange. Also gut.

Ich hörte, wie er zur Tür reinkam und jetzt verließ mich das letzte Stückchen Mut. Alles was uns nunmehr trennte, war diese Badtür. Und Abhauen war nicht. Ich schrieb in Panik meiner Freundin. Sie und ihr Mann schickten mir Sprachnachrichten: Geeeeh raus Kim, die Aufregung wird nur schlimmer!!!!! Geh raus und iss endlich Pizza!!

Er klopfte an die Tür und ich hörte seine Stimme. So war ich es nun so viele Monate gewohnt..

Also öffnete ich endlich die Tür, um mich dem zu stellen, was mich da erwartete und auf das ich so lange gewartet habe.

Italien: Prolog

Ok, es ist nun nicht mehr lange und ich werde in Italien sein. So weit, so gut?

Mich ergreift die Angst, eine kleine Panik begleitet mich unterschwellig die letzten Tage. Ich sehe Fotos von ihm und denke mir Waaaaaaaas tue ich hier eigentlich?

Alles erscheint mir so surreal. Auch die Tatsache, dass wir seit mehr als einem halben Jahr wirklich jeden Abend miteinander telefonieren. All der Austausch, all die Anteilnahme am Leben des anderen über so viele Monate hinweg. Er hat mich weinen, lachen und stöhnen gehört 😂 Und doch ist alles unecht, unanfassbar und das wird jetzt plötzlich alles in die Realität verfrachtet. Das kann und wird alles ändern. Es kann alles hinweg fegen, was wir hatten, es kann alles intensiver werden lassen oder einfach desillusioniert auslaufen lassen.

All das lässt mich kalte Füße bekommen. Zweifeln. So als ob ich mir gar nicht so viele Gedanken gemacht hätte. Über das was ich da mache. Als wäre er eben immer bei mir gewesen, in meinem Handy. So wie eine App, aber die steigt ja auch nicht plötzlich aus dem Handy und ich sehe alles plastisch.

Ich habe alles irgendwann mit ihm als so selbstverständlich genommen, und dabei irgendwie ausgeblendet, dass es noch diese Wirklichkeit gibt, obwohl diese ja immer das Endziel war.

Jetzt schau ich ihn auf Fotos an und denke: Ernsthaft?

Er hat so breite Schultern, wie ein Tisch. Ich könnte gerade alles in Frage stellen am liebsten. Was mache ich da zum Teufel?

Hoffnungen, Erwartungen, Angst, Illusionen und Wünsche, sowie diese Zeit, die wir miteinander hatten online, all das vermischt sich gerade zu einem Gefüge, dass meine Bindungsangst innerlich aufbäumen lässt. Plötzlich finde ich alles doof und alles nervt mich.

Ich versuche mit ihm darüber zu reden und kann das auch. Er hat einen unerschöpflichen Optimismus, dass alles gut werden wird. Andrà tutto bene. Ich überlege auch anzusprechen, was denn eigentlich danach ist. Ihr wisst schon, dieses Was sind wir dann ?

Doch ich kann es doch auch nicht sagen, ich habe auch keine Antwort darauf. Wie auch ? Wahrscheinlich kann man das nicht mal nach dieser Zeit in Italien. Oder doch? Menschen können alles, wenn sie sich einig sind.

Ich kenne seine Intention, ich kenne seine nicht vorhandene Angst vor Beziehungen im Allgemeinen und ich weiß, dass er emotional ziemlich gesund und geerdet ist, was Beziehungen angeht. Er und ich, dass muss man eben fühlen.

Wir werden beide vorsichtiger, keine tiefromantischen Bekundungen mehr. Immer wieder überlege ich, darüber zu reden, reden reden reden. Doch geredet wurde in all der Zeit genug. Weil nichts anderes übrig blieb. Reden ist nun das letzte was hilft. Eine Umarmung würde genügen. Selbst die Möglichkeit einer Umarmung würde genügen, um zu wissen, ob man sie haben möchte. Oder nicht.

Der Finne meldet sich. Der Italiener aus Finnland, der damals tausende von Kilometer nach Deutschland reiste, für ein Date. Und ausgerechnet jetzt meldet er sich. Wie um mich daran zu erinnern, wie es damals lief. Wir hatten jetzt monatelang keinen Kontakt. Er hat nun schon seit einem Jahr eine Freundin, dass sehe ich in seinen Storys. Er wirkt glücklich. Oder warum schreibt er mir dann ? Er war damals ziemlich in mich verknallt und ich sah auf dem Date nach 5 Sekunden: Bei mir tut sich da nichts. Und das hat sich auch nicht geändert. Mit ihm hatte ich vor diesem Date jedoch nicht ansatzweise so eine Verbindung wie jetzt mit diesem Mann.

Und trotzdem, bin ich jetzt in der Position des Finnen: Reise für ein Date über Ländergrenzen hinweg. Ich nenne das Europa-Dating. Wird mir nun dasselbe zustoßen? Er sieht mich und denkt sich Shit, jetzt muss ich die Zeit mit einer Person rumkriegen, die ich eigentlich ziemlich unsexy finde.

Denn all das kann eben der Fall sein, ob man sich nun hübsch, nett oder sonst was findet. Wenn der Funke fehlt….

Und das geht nicht: Mir sagen, dass, wenn es nichts wird an Beziehung, dann war es eine gute Zeit. Ich habe den Wunsch nach Beziehung, ich habe das Bedürfnis nach Verbindung. Ich reise nicht hunderte von Kilometer um eine gute Zeit mit einem Unbekannten zu haben. Meine Erwartungen und Hoffnungen sind real und nicht kleinzureden. Wenn aus uns nichts wird, dann werde ich das auch überleben, aber ich wäre enttäuscht. Und ich stehe zu diesem Gefühl und täusche mich nicht selbst. Das ist ähnlich wie einer Schwangeren nach Verlust ihres Babys zu sagen: Na dann sei doch froh, dann hast jetzt noch etwas mehr Zeit für dich alleine. Genieße es doch. Auf ein nächstes Mal gell?

Ich lasse mir meine Gefühle nicht Kleinreden, auch nicht von mir selbst. Für mich ist das eine große Sache und nicht just for fun. Das Positive, dass ich im Falle eines Scheiterns mitnehme, ist das mein Kopf wieder gerade gerückt wurde. Ich weiß wieder ganz genau, was ich mir erwarte in einer Beziehung, was mir gut tut, was meine Standards sind und: DASS ES DAS GIBT. Durch diese Zeit mit ihm, bin ich wieder vollkommen klar geworden, wie Beziehung aussehen kann und sollte. Und dass es Zeitverschwendung ist, an einem Mann festzuhalten, der mir das nicht geben kann oder will. Dass es schlecht für mein Selbstwertgefühl ist, immer wieder dran zu bleiben, wenn er mir immer wieder zeigt, dass er es nicht ist und nie sein wird. Was für eine Selbstqual!!

Dating an sich kann schon mühsam sein, aber es ist noch viel mühsamer, wenn man sich immer wieder in diese Sümpfe verirrt. Von Männern, die unsicher sind, Männer, die selbst keine Klarheit haben, Männer, die meine Klarheit nicht wollen, nicht teilen. Und ich spreche hier natürlich nicht von den ersten paar Dates, sondern diese monatelangen Geschichten. All das wird es nicht mehr geben. Das auf die Schnauze fallen ist schon schwer genug und Liebe ist jedesmal ein Risiko. Aber sehenden Auges sich immer wieder ein blaues Auge abholen, das ist vorbei. Denn irgendwann wird man blind. Und das ist, was mir diese Zeit mit meiner Corona Liaison gebracht hat. Ob Scheitern oder nicht.

So, wo ist mein Gate?

Fake friends and more

„Sometimes you need to give up on something to move forward“

Wir haben Freitag und an diesem Tag geschieht etwas (einiges) besonderes. Meine Arbeit ändert sich. Neue Kolleginnen, neue Chefin. Ich bin extrem aufgeregt. Und erleichtert. Diese neue Position bedeutet intern keinen Aufstieg. Seit einem Jahr hing es in der Luft, ob es eine Aufwertung meiner Stelle gibt oder nicht. Nun, nach einem Jahr erhalte ich die Nachricht: Nein.

Was in dem Moment kein berufliches Weiterkommen bedeutet, nimmt mir gleichzeitig einen riesigen Stein vom Herzen. Ich wäre mit der Beförderung nicht glücklich geworden. Das Mehr an Kohle hätte das nicht ausgeglichen. Ich habe in einem Wolfspack gearbeitet, in dem letztlich jeder für sich selbst wirtschaftet. Der Teamgedanke existiert nicht, kein Miteinander, null Flexibilität und Alt-Herrenwitze: Kurzum, ich habe NUR mit alten Männern gearbeitet. Gorillas oder wenn dann mal einer unter 40 sein sollte, absolute Sozial-Nerds. Ich hätte das so oder so nicht mehr lange ausgehalten und war schon länger am Überlegen, ob ich diese Aufwertung überhaupt annehmen würde. Und nein, das ist nun kein Schönreden der Situation. Sprüche wie „Kim, du brauchst einen Gönner, der dir deinen Lebensstil finanziert“ als Witz deklarieren und dann als klärendes Gespräch, nur mit weiteren (beruflich übergeordneten) Männern zusammensitzen und erklären was Sexismus ist und dass das nicht als Witz unter Kollegen durchzugehen hat. Damn, das war sicher eines der schwierigsten Gespräche, die ich je hatte. Danach war besagter Gorillen-Kollege lange beleidigt, bis er schließlich doch noch respektvoll wurde. Andere darauf aufmerksam gemacht hat, wenn ich ins virtuelle Meeting kam, damit man mich begrüßt. Denn das habe ich gelernt: Viele Männer brauchen verbal einen auf die Fresse, damit man akzeptiert wird. All das ist aber auf lange Sicht sehr anstrengend und nun so gar nicht meine Art. Genauso, wie mir der Zusammenhalt gefehlt hat. Dass ist jedoch ein hausgemachtes Problem dieser Abteilung. Und da bin ich nun raus.

Der erste Tag im neuen Team war für mich geradezu eine fast vergessene Aneinandereihung an Nettigkeiten. Kurzum: Ich bin erleichtert. Ich will immer noch gerne was anderes finden, weil ich mich weiterentwickeln will und es Zeit ist. Aber das wird sich nun einfach will angenehmer gestalten, da ich nicht die ganze Zeit von dieser Schwere und Aggression umgeben bin.

„Sometimes you need to give up on something to move forward“

Freundschaft

An diesem Tag ist weiteres passiert. Ich habe mit meiner besten Freundin telefoniert. Nachdem ich gesehen habe, dass Sie meiner Corona Liasion auf Instagram seltsame Kommentare hinterlassen hatte auf ein Bild, wie er mit einem Boot auf dem Meer ist. In Neapel jetzt nicht so ungewöhnlich. Weiter habe ich gesehen, dass plötzlich eine Bekannte ihm auch folgt. Im Telefonat fragte ich sie, ob sie mit besagter Bekannten über ihn gesprochen habe. Sie verneinte. Dass Freunde übereinander sprechen und was der andere so treibt, ist ja wohl nichts Neues und vor allem unter Frauen beliebt. Doch diese Bekannte ist mir nicht sonderlich gut gesonnen. Von ihr kamen immer spitze Kommentare über meine vermeintliche Künstlichkeit und dass ich damit ja die falschen Männer anziehen würde. Trophy wife. Ist es nicht eine riesige Doppelmoral, wenn jemand mir Künstlichkeit vorwirft und einem Mann (meine Corona Liaision), den sie noch nie gesprochen hat? Oder Menschen Eigenschaften ab- oder zuspricht aufgrund von Oberflächlichkeiten? Da beißt sich die Katze doch in den Schwanz.

Doch so weit so gut. Im Gespräch mit ihr ergab sich dann, dass sie mit meiner besten Freundin sehr wohl über ihn geredet hat. Obwohl sie das kurz zuvor verneint hat. Und dass sie sein Profil auch nicht angeschaut hätte. Dann kam heraus, dass sie das zusammen getan haben. Und sie musste natürlich auch noch ihre Meinung zu ihm dazu abgeben. Es klingt mehr als absurd. Weiter kam noch heraus, dass meine beste Freundin weitere sehr private Dinge ausgeplaudert hat. Ich weiß nicht, was mich mehr verletzt hat. Dieser Verrat meiner Freundin oder die dreiste Lüge. Das in Zusammenspiel hat mich unglaublich enttäuscht. Doch gleichzeitig bin ich froh, dass das nun rauskam und ich weiß woran ich bin. Nämlich nicht an einer Freundin. Es fällt mir schwer, sie und unsere komplette Freundschaft nun „zu vergessen“. Wir hatten schöne Zeiten miteinander und sie hat mir in vielen Dinge geholfen und war für mich da, die ganzen Liebeskummer mit mir durchexerziert, bei Umzügen geholfen etc. Wenn dann so etwas passiert, fühlt sich das nicht anders an wie ein Betrug. Wie auch in einer romantischen Beziehung. Es ist irgendwie schwer das zusammenzukriegen. Das Gute und das Schlechte. Ich weiß dass das irgendwie ziemlich wirr klingt, also der Vorfall. Das schlimmste war aber einfach die Lüge. Weil sie dann auch noch sagte: „Weißt du, dass du mir überhaupt so etwas zutraust, ohne Vertrauen ist eine Freundschaft nicht möglich.“ Zu krass, zu abgefuckt und auch absolut unnötig wegen so einer Sache überhaupt zu lügen.

„Sometimes you need to give up on something to move forward“

Diesen Satz hat mir genau an dem Tag, an dem das alles geschah ein Bekannter geschickt. In einem anderen Zusammenhang aber, der auch nicht schön war: Er teilte mir mit, dass er sich nicht weiter mit mir treffen könne, da seine Freundin Probleme mit dem Vertrauen hat, und verletzt ist, wenn er sich weiter mit einer Frau träfe, für die er mal etwas empfunden hat.

Aha, das wusste ich gar nicht. Der Tag war absurd und laufe gleich mit Würde in die nächste Bar.

Beziehung ?

Irgendwas ist ein bisschen zerbrochen gestern. Vllt weil es in dieses Gespräch ging: Na was wird das nun eigentlich mit uns ?

Auf der einen Seite ist das selbstverständlich schwer zu beantworten, wenn man sich verdammt nochmal noch nie gesehen hat. Keinen Körperkontakt, nichts. Was kann man da schon sagen, außer, was denn die grundsätzliche Einstellung ist was Beziehungen angeht ? Was man sich vorstellt und wofür man bereit ist.

Doch andererseits, ich steige nun nicht in einen Flieger, tu mir den ganzen Coronastress an, weil da halt irgendein so ein Typ ist. Irgendso ein Typ, den kann ich auch um die Ecke haben.

Ich fühle mich so verdammt desillusioniert. Weil er mir keine Sicherheit gibt. Und ich das Gefühl habe, dass sich alles in ein Wie immer bewegt. Das so aussieht, dass ich mit einem Mann Zeit verbringe und dann entzieht der sich mit der Zeit und will sich nicht festlegen.

An anderer Stelle, würde ich jetzt den Schauplatz verlassen. Weil für mich damit die Sache klar ist und ich nie mehr Herumeiern werde nach einer angemessenen Zeit des Kennenlernens und das auch nicht mehr zulasse. Ich finde das inzwischen massiv unattraktiv, wenn ein Mann sich so verhält. Es erscheint mir unsympathisch und charakterschwach, unsicher. Ich bin dann gefühlsmäßig raus.

Ein bisschen ist das gestern nun auch hier passiert. Ich finde es enttäuschend, dieses Verhalten. Ich versuche mich jedoch auf den Boden der Tatsachen zurückzuziehen: Diese Sache hier, ist anders. Wir schreiben zwar seit einem halben Jahr und das nicht als Freunde. Aber wir daten uns nicht seit einem halben Jahr. Wir sehen uns nur virtuell. Es ist so eine seltsame Sache. Es hat sich eine große Nähe zwischen uns aufgebaut. Ein Teilhaben am Alltag des anderen findet statt. Etc pp, meine Blogbeiträge haben hier ein Bild geschaffen, wie es zwischen uns abläuft. Es ist nahezu beziehungsgleich. Und doch ist es keine. Keine, im klassischen Sinne jedenfalls.

Gestern hatten wir ein sehr rationales Gespräch darüber. Er hat sein Italienerromantiktuch mal abgenommen. Und das war erfrischend, was soll ich sagen, aber es war auch ein bisschen wie ein Fall ins kalte Wasser der Realität. Was bitter nötig ist, da wir das Ganze ja nun bald in die Realität verfrachten werden.

Und alles was er sagte, ist nachvollziehbar. Kann keiner was dagegen einwenden.

“Wir müssen uns treffen, um sagen zu können, ob eine Beziehung möglich ist zwischen uns. Es geht auch nicht darum, dass wir uns verlieben müssen in diesen Tagen, sondern um ein Kennenlernen. Dann und nur dann können wir uns entscheiden, wie es weitergeht. Die Distanz wird immer da sein und davor habe ich Angst. Dir muss bewusst sein, dass es nie eine “normale” Beziehung sein wird. Wir werden uns vllt einmal im Monat sehen können. Jetzt zum Beispiel brauche ich deine Nähe, kann aber nicht bei dir sein. Für mich ist das ein großer Schritt, was wir hier machen, das ist nicht selbstverständlich und das mache ich, weil ich dich mag. Und um rauszufinden, wie wir miteinander sind. Was kann ich mehr sagen jetzt ? Ich könnte dir sagen, dass ich dich liebe Blabla und Hauptsache keinen Stress, aber das wäre nicht ehrlich. Wir sollten uns treffen und dann entscheiden, wie es weiter geht. Ich will eine Beziehung generell und auch für die Distanz können wir dann eine Lösung finden.“

Mmmm ja, habe ich schon den Fall ins kalte Wasser erwähnt ?

Er sagt dann noch, dass wir uns immer an das hier erinnern werden und niemals vergessen und das wir auch in Kontakt bleiben können, wenn es nichts wird. Und dass wir auch keinen Sex haben müssen, wenn ich das nicht will in der Zeit und Blabla. Er sich aber wünscht, dass wir jetzt niemanden anderen treffen, bis wir uns sehen (upps). Den letzten Punkt verstehe ich von der Logik nicht ganz, denn wenn eine Beziehung ja so erstmal nicht besteht und noch so unklar ist, ob es eine wird, warum sich dann JETZT schon so verhalten, als wäre man in einer? Das sehe ich ja gar nicht ein. Wenn es keine Garantie gibt, warum sich dann jetzt schon versichern?

Mache ich offensichtlich nicht. Das habe ich ihm jetzt nicht unter die Nase gerieben, denn ich weiß sehr genau, dass das für ihn etwas ändern würde. Trotzdem…

Gut ok, ich will mich nicht ganz so tumb stellen, denn wenn er andere Ischen liked und hier und da, tut sich ja auch was in mir. Und wenn man sich versucht auf etwas einzulassen, ist es wohl nicht schlecht sich auch etwas zu fokussieren.

Ich kann beides nachvollziehen. Es ist eben mittlerweile an dem Punkt, nach 6 Monaten, dass es stört, dass man nicht weiß was man ist. Und meine eigene Unsicherheit, verhindert auch, dass ich mich darauf einlasse. Und so geschehen dann Geschichten wie mit dem Schriftsteller, die ja auch btw, schon viel länger geplant waren und ich mir dann auch ein wenig trotzig gedacht habe: Ja, für was sollte ich eigentlich darauf nun verzichten?

Ich stehe für mich dazu, auch wenn ich auch verstehe, dass es sich für den anderen unschön anfühlt. Und das würde es sich auch für mich. Bloß…kann ich ihm das nicht verbieten und das tue ich auch nicht.

Wie auch immer. Dieses Gespräch hat mich so ein bisschen kalt zurück gelassen, ich wollte schon fast schreiben, kalt gemacht. Ich weiss, dass man ihm jetzt nicht wirklich etwas vorwerfen kann, er ist nun mal realistisch und er hat auch Recht. Doch trotzdem….ich bin NICHT so, dass ich in einen Flieger steige und einfach nur denke….oh yes, lass uns eine gute Zeit haben und falls es nichts wird, war es trotzdem halt ein Urlaub. Ich kann versuchen, mir das einzureden, letztlich stimmt es aber nicht. Wenn ich eine gute Zeit haben will, dann mache ich anderes. Und gehe nicht auf Dates ins Ausland.

Ich habe auch nicht den Anspruch, dass ich eine Versicherung brauche oder eine Garantie auf Liebe, das ist doch immer Quatsch. Und ich weiß auch gar nicht, was er am besten sagen oder machen soll. Er ist grundsätzlich bereit und offen für eine Beziehung und das er ein absoluter Beziehungstyp ist, das weiß ich. Vor ein paar Tagen hat er sogar mit meinem Vater gevideochattet, da der total in Sorge ist, was ich da eigentlich vorhabe. Den Personalausweis und Telefonnummer musste er auch gleich mal hinterher schicken. Die Worte meiner Mutter: Er würde wohl am liebsten mitfliegen, um alles im Auge zu haben.

Die Angst meiner Eltern, dass dieser Mann ein Verbrecher, Betrüger oder sonst was ist, verstehe ich gar nicht.

Meine Angst gilt eher meinem Herzen, weil ich einfach nicht schon wieder an irgendeinem Herzschmerz leiden will. Oh und das ist wohl das Risiko, vor dem mich keiner bewahren kann.

Uff.

Italia

Vor ein paar Tagen erreichte uns die erlösende Nachricht: Keine Quarantäne mehr für Einreisende in Italien. Negativer Test genügt.

Schwupps, Flug gebucht. 130€ Hin und Zurück und ich bleibe eine Woche.

Er hat mich danach ein bisschen wahnsinnig gemacht. Ich habe nämlich schon früher bemerkt, dass er eher der organisierte Typ ist. Jetzt will er alles planen. Welche Pizzeria werden wir besuchen, wo die besten Cornetti frühstücken und dann die Sache mit den Hotels….

Ich bin davon ausgegangen, dass wir/ich in der Ferienwohnung seines Kumpels sein können. Die ist zentral und schlicht. Das Bett ist groß genug und wir sind unabhängig von Öffnungen von Hotels etc. Und falls es doch nicht zwischen uns klappt, ist sein Zuhause nicht weit entfernt und er kann sich dorthin zurückziehen.

Doch irgendwie scheint das nun nicht mehr aktuell zu sein.

Er macht sich auf den Weg und hat nun Hotels gebucht, die zwar wunderschön sind, einen atemberaubenden Blick auf das Meer haben, wirklich direkt an der Küste sind etc etc. Und ich finde das auch nett. Doch das setzt mich irgendwie unter Druck. Dieses Kohle investieren und dann ? Dann versteht man sich nicht, nicht so gut und dann sitzt man da, in seinem 5 Sterne Zimmer und schaut peinlich berührt aufs Meer.

Darauf angesprochen meint er, dass er will, dass ich die schönsten Seiten sehe von Neapel und dass er will, dass ich mich wohlfühle und dass es ja auch sein Urlaub ist, den er genießen will.

Und er liebt schöne Dinge.

Ich höre mich an, als kann man es mir nicht Recht machen. Er denkt einfach nicht so viel nach. Ich versuche mal, mich nicht abschrecken zu lassen und selbst auch nicht viel zu viel reinzuinterpretieren . Ich meine, für MICH ging es halt einfach um ein Kennenlernen. Das ganze Brimborium halte ich nicht für nötig. Und das habe ich ihm mehrmals gesagt.

Vielleicht sollte ich aber auch nicht Nein sagen, wenn es ihm so viel bedeutet das bei Meerblick zu tun. Ist ja seine Investition.

Und macht sich gut auf Instagram 😂

Ich freue mich so sehr auf alles Neue und ihn und Italien und Pizza und Eis und das Meer und und und und und. Aufregung !!!