Kürbis, Trüffel und Halloween: Herbstende

Ich sitze vor wohlriechenden, unglaublich fantastischen Trüffel-Ravioli und auf dem Tisch stehen ein paar brennende Kerzen. Gerade setze ich motiviert einen Negroni an die Lippen und ein bisschen von dem nicht unschwachem Drink schwappt aus dem weiten Cocktailglas in meinen Ausschnitt.

Was mir vielleicht bei einem Date peinlich gewesen wäre, wische ich jetzt einfach weg, denn mir gegenüber sitzt kein Datepartner, sondern meine Kollegin und Freundin.

Die Zeit der klassischen Tinder-Dates ist schon lange vorüber. Mein letztes Date vor meinem jetzigen fidanzato kann man hier nachlesen: Es war das zweite Date mit dem Kunsthistoriker. Schon da hatte ich beschlossen, dass ich trotz sexueller Anziehung kein Interesse an einer Liaison mit ihm habe. So verlockend und einfach es gewesen wäre, sich der Sache hinzugeben. Der Sache und ihm. Aber mir fehlte die Intimität zwischen uns. Hübsch sein, Freundlich sein und eine selbstgekochte Kürbis-Kokossuppe waren nicht ausreichend, um mich wirklich hingeben zu können. Und wollen.

Noch in diesem Beitrag schob ich ihn endgültig in die Friendzone ab und er mich einige Wochen später ins Nirwana, da er jetzt vergeben sei und seine Freundin trust issues habe, die es nicht zuließen, mit einer ehemaligen Tinder-Friendzone-Bekanntschaft etwas zu tun zu haben. Well….done.

Das letzte richtige klassische „erste Date“ über eine Datingplatform hatte ich mit dem Supermarkttyp. Ein bildschöner, super höflicher und netter „Junge“, den ich ziemlich scharf fand und ein zweites Treffen jedoch die Ernüchterung barg, dass es mehr als das eben auch nicht war. Meine Begeisterung war verloschen und nach diesem zweiten Treffen wünschten wir uns beide höflich per Whatsapp eine gute Nacht und wahrten in mindestens ebenso höflichem Duktus unserer beider Gesicht und meldeten uns nie mehr beieinander.

Danach gab es nur noch Wiederholungstaten mit altbekannten Figuren. Ob Schriftsteller oder Arzt (dessen Story ich hier nie so fein chronologisch und umfassend festgehalten habe). Und schließlich: Meine Corona-Liaison. die bis heute andauert und die nun eine Beziehung ist. Vielleicht nicht normal, vielleicht genauso wenig für immer wie alles davor.

Aber Dates habe ich keine mehr. Schon lange nicht mehr. Und noch länger nicht mehr wie früher.

Ich habe das Gefühl, dies mutiert eher zu einem Beziehungsblog. Oder „All die Fragen, die mich sonst so umtreiben“-Blog.

Dabei will ich das gar nicht. Ich war immer gut darin, Dates zu dokumentieren, mal fragend, gespannt, leidenschaftlich, mal besorgt, freudig, was auch immer. Das waren kleine süße Stories und oft genug kam nach ein paar davon, ein Punkt. Und dann die nächste.

All das ist vorbei.

Meine Beziehung hier zu dokumentieren und zu beschreiben mit ihren Aufs und Abs, daran habe ich keine Freude. Da einzelne, kleine Beiträge viel zu schlecht alles angemessen widerspiegeln könnten. Und vielleicht weil ich irgendwann wahnsinnig werden würde, immer darüber zu schreiben und man ja meist nur dann schreibt, wenn mal etwas besonders verletzendes oder besonders aufregend tolles geschieht. Quasi das Tagebuch-Phänomen. Das nutzt man meist um Dampf abzulassen, doch das ganze Bild mit all seinen Facetten spiegelt es ja doch nicht wieder. Zumindest mir geht es so. Weil dazu viel mehr nötig wäre, als ein durchschnittlich 5-minütiger Artikel.

Kleine Momentaufnahmen von Dates (von bis dato fast unbekannten Personen) zu beschreiben ist für mich eine ganz andere Sache. Dabei ging es auch viel um die Freude am Schreiben und Beschreiben. Natürlich immer gemixt mit ein paar Emotionen.

Aber jetzt fühle ich mich ganz anders. Dies war ein Dating-Blog. Und das ist er nicht mehr.

There will be no miracles: Das Wunder von Neapel hat vielleicht (momentan) dazu beigetragen, das Ganze hier enden zu lassen.

Auch wenn es ja immer weiter geht. Gerade in einer Beziehung werde ich immer wieder mit neuen Dingen, Gefühlen und Situationen konfrontiert. Oft auch sehr ambivalent. Und all das ist sowieso so zerbrechlich und gleichzeitig ohne Ende in Bewegung.

Aber es ist meins. Und das ist der Punkt. Ich will, dass es nur noch meins bleibt gerade.

Vielleicht bin ich schon in zwei Wochen wieder Single. Aber auch dann, wird es nicht mehr so weiter gehen, wie davor. Nicht, weil ich dem Dating entwachsen wäre oder mich nun zu erhaben fühle für „so etwas“. Ich denke, mein Wunsch und meine Sehnsucht nach Liebe und Verbindung wird hoffentlich mein ganzes Leben lang nicht enden.

Aber manche Beziehungen enden eben. So auch die mit there will be no miracles. Fast 7 Jahre hat sie gehalten.

Ich werde immer noch verfolgen und mitlesen. Weil echte Geschichten einfach fast so spannend sind, wie Harry Potter und Jean-Paul Sartre zusammen!

Ab und an, werde ich eventuell ein kleines Update verfassen. Für diejenigen, die dann immer noch am Start sind und wenn es mich einfach packt, wieder zu schreiben. Natürlich ohne Garantie. Doch der Dating-Blog ist geschlossen. Und da ich gerade wirklich Sartre lese, möchte ich das mit einem Zitat aus „Der Ekel“ abrunden:

„Das Leben hat a priori keinen Sinn. Ehe Sie leben, ist das Leben nichts; es liegt bei Ihnen, ihm einen Sinn zu verleihen, und der Wert ist nichts anderes als der Sinn, den Sie wählen.“

Mein Goldstück

Momentan habe ich gar keine gute Phase. Jeden Tag verdrücke ich ein paar Tränchen.

Die isolierte Jobsituation nimmt mich sehr mit – trotzdem dass durch meine neue Chefin einiges weniger an Stress aufkommt, leide ich an (in) der Isolation. Das Arbeiten geschieht fast nur von zuhause aus und wenn ich in den Verlag gehe, ist dort auch meist keiner. Die meisten Leute scheinen das Home Office vorzuziehen. Was ich z.T. auch verstehen kann, wenn man Partner und Kind(-er) zuhause hat. Aber für jemanden wie mich ist diese Situation schlichtweg asozial. Und langsam sind die Resilienz-Ressourcen was das angeht aufgebraucht. Ich brauche dringend eine neue Perspektive! Sonst verliere ich irgendwann komplett die Motivation.

Mit meinem amó (Amore) läuft es dafür gut. Wir sehen uns bald wieder und er versucht wirklich jedes Mal aufs Neue mich aufzumuntern und mental bei mir zu sein. Wie sehr ich ihn jetzt liebe. Ich freue mich so auf Rom und Neapel und brauche nur noch eins: Urlaub.

Mit meiner besten Freundin habe ich mich auch wieder versöhnt und mit ihr habe ich wenigstens auch ab und an (während der Arbeit via Telefon) was zu lachen. Mich erinnert mein Ich mit ihr an ein längst vergangenes, viel leichteres und fröhlicheres Selbst. Auch wenn dieses „Früher“ eigentlich nur ca 1,5 Jahre her ist. Das schätze ich, auch wenn zwischen uns nicht wieder alles komplett wie früher ist.

Jetzt wird erst mal dem Konsum gefröhnt. Schließlich brauche ich ein paar neue Herbstkleider für Rom 🙂

Oh My <3

Wie sehr haben meine Gefühle hier eine Rolle gespielt?

Wie sehr wurden sie in den letzten Jahren ernst genommen? Von jemanden? Und wem habe ich sie geschenkt?

Die romantische, unerwiderte Liebe ist ewiger Antrieb, verlässlichster Garant für die Lebendigkeit in mir. Lebenselixier. Oh, wie sehr bin ich freiwillig in diese Brunnen gestiegen.

Und nun? Ab und an bin ich dieser Brunnen und damit belebende Quelle für jemanden.

Seine Zärtlichkeit trifft auf meine Versteinerung, die in den letzten Jahren nur durch die Dramatik aufgebrochen werden konnte. Sie schaffte das immer viel schneller. Die Zärtlichkeit braucht mit ihrer Beständigkeit viel länger, bis sie einen Menschen aufgeweicht hat. Doch dafür hat es nichts mit brechen zu tun.

Ich liebe ihn dafür, dass er morgens aufsteht, um rauszufahren um den Sonnenaufgang zu sehen. Ich verfalle dieser Einfachheit jedesmal. Genauso wie simplen Nachrichten wie: „Du hast gar nicht Tschüss gesagt 😦 „, nachdem ich wütend das Telefonat beendete.

Oder: „Du warst komisch, du hast mich nicht gekuschelt, nichts an diesem Abend“, nachdem wir im Casino waren und ich mit einer Freundin ein paar Gläser zuviel trank und mich danach vor lauter Schwindel ins Bett legte.

Wie ist das mit der Liebe? Ich könnte nun auch seine fehlende langfristige Planungswilligkeit auflisten und ihn verfluchen. Auch für anderes. Dieses Geplapper und nur dazwischen verstecken sich manchmal die wirklichen tiefgründigen Sätze.

Ich bin gerade nicht stabil und frage mich oft, oft ich überhaupt den Druck einer Beziehung aushalten kann, manchmal fehlt mir die Empathie. Und der Glauben.

In ihm finde ich Fröhlichkeit und Einfachheit, Stabilität und Freundlichkeit. Und einen Mann, der mir einen eigenen Helm kaufen will, wenn wir nächsten Monat von Neapel nach Rom fahren werden.

Was er mir nicht geben kann, ist die Garantie auf ein Happy End oder auf ewige Liebe. Oder Perfektion.

Meine Zweifel sind immerwährend und manchmal glaube ich, ich bräuchte 100 Freunde, um mich gegen alle Verletzungen abzusichern.

Fuck – alle Unzulänglichkeiten prasseln auf mich ein. Und ich weiß nicht, ob ich irgendwie besonders gut bin generell in alldem.

Ich frage ihn immer wieder was ihn an mir hält? Was er in mir sieht? Jede Beziehung ist ein Spiegel. Ja?

Fühlt euch alle gedrückt!

When to quit a relationship?

Die letzten Tage geht mir ein Video nicht mehr aus dem Kopf von Matthew Hussey: When to quit a relationship?

Ich verfolge Hussey schon länger, denn im Gegensatz zum (früheren) deutschen Dating-„ratgeber“ Michael Nast, der mit „Generation Beziehungsunfähig“ zwar ein Phänomen dieser Zeit ziemlich prägnant festgehalten hat, aber m.E. immer wahnsinnig überheblich und unnahbar wirkte. Einfach ohne Herz und selbst so eine Ausgelaugtheit und soziale Lethargie ausgestrahlt hat, dass mir da persönlich schnell die Freude am Verfolgen verging.

Kennt ihr diese Menschen, die immer am feixen sind und nur darauf warten zu frötzeln, subtile Disslikes zu verteilen und in schwelender Ruhe auf irgendeinem selbsterbauten Thron sitzen? Das ist Michael Nast für mich.

Das oben beschriebene Video fasst die Gründe eine Beziehung zu verlassen unglaublich einfach und logisch zusammen. Inklusive der Problematik der eigenen Verantwortung die IMMER dahinter steckt:

Führt euch euer Problem vor Augen, das ihr habt in der Beziehung (In meinem Fall: Die massive Distanz zwischen uns und die unklare Entwicklung und Perspektive dadurch)

Dieses Problem habt ihr eurem Gegenüber schon angeführt, diskutiert und klar gemacht. Doch es erfolgt einfach keine Änderung oder nur eine vorübergehende. De facto ändert der andere sich nicht. Und es soll hier nicht um ein Problem gehen, wie der Beteiligte schraubt die Zahnpastatube nie zu oder kommt ständig 5 Minuten zu spät. Nein, es geht um Probleme, die einen wirklich Tag für Tag belasten, die einen unwohl und unglücklich fühlen lassen und die einen gedanklich nicht los lassen.

Laut Hussey gibt es nach dem „Reden“ nichts genutzt hat, genau 3 Möglichkeiten:

  1. Man versucht dieses Problem nicht nur zu akzeptieren, sondern es auch anzunehmen. Und entsprechend auch nicht mehr als Problem zu betrachten und ständig darüber zu jammern. Wenn ich die Situation so (unveränderbar wie sie anscheinend ist) behalten will, dann muss ich auch alles so annehmen wie es ist. Im Hier und Jetzt und damit leben. Denn wenn ich mich ständig darüber ärgere, mache ich das Problem meines Gegenübers irgendwann zu meinem Problem.
  2. Derjenige verändert sich tatsächlich so, dass meine Bedürfnisse erfüllt werden
  3. Ich verlasse die Beziehung, da meine Bedürfnisse nicht erfüllt werden, mein Gegenüber sich nicht ändern (kann oder will) und ich meine Bedürfnisse nicht ändern kann und entsprechend auch nicht in der Lage bin, meine Erwartungen anzupassen

This is it.

Kann ich also meine Bedürfnisse nach regelmäßigem Sehen und Zusammensein so runter regulieren, dass ich trotzdem glücklich bin? Kann ich meine Erwartungen was das angeht so zurückstecken, dass es für mich auf Dauer OK ist eine Beziehung zu führen mit solch einer großen Distanz?

Das Problem ist also zum Beispiel hast einen die Distanz und die fehlende Perspektive. Das Problem ist auch, dass ER damit weitaus besser zurecht kommt als ich. Dass das, was ich bräuchte um diese Situation zu ertragen, regelmäßige Termine wären, die nicht immer neu verhandelt werden müssen und irgendwann eine Art Normalität einkehrt. Und das ist nicht wirklich möglich mit ihm. Weil er das nicht braucht und einfach anders gestrickt ist als ich. Ich bin ihm sehr wichtig, das weiß ich und er plant auch Weihnachten zusammen zu verbringen oder nächstes Jahr gemeinsam in den Urlaub zu fahren etc.

Jetzt ist ist die Frage, ob mein ungestilltes Bedürfnis nach jemanden regelmäßig sehen können, eine gewisse Planbarkeit etc, (ein Bedürfnis, das nicht gestillt wird TROTZ Reden und auch zum Teil den Umständen geschuldet ist) allen anderen Dingen überwiegt?

Wenn ich die Angst wegwischen würde wieder von vorne anzufangen was Dating angeht, die Verlustangst ausblenden könnte, denn man verlässt immer auch das Gute, dass ja auch immer da ist, wenn ich vollkommen rational entscheiden müsste anhand dieser Methode:

Was würde ich dann tun?

Was würde jeder von uns tun, wenn er ehrlich und ohne Angst auf seine Bedürfnisse schaut und so die Beziehungen hinterfragt?

Es geht nicht um eine perfekte Beziehung ohne jegliche Konflikte oder kompletten Konsens, nein, um essentielle Bedürfnisse. Damals mit dem Arzt hatte ich eine so große Anziehung, die ich nicht mal jetzt habe, aber er wollte einfach keine feste Beziehung eingehen. Was aber MEIN Bedürfnis war. Ich bin viel zu lange geblieben. Denn trotz Reden und Trallala hat er sich nicht umentschieden ich hab mich eigentlich mit jedem weiteren Treffen selbst mehr untergraben. Denn mein Wunsch nach Bindung war essentiell. Und so habe ich gelitten. Im Tausch zu ein paar einzelnen schönen Momenten. Dabei war doch alles so klar. Ich will so etwas nie mehr wieder.

So ein Handeln untergräbt mich und mein Selbstwertgefühl und ist so verantwortungslos mir selbst gegenüber.

Deshalb frage ich mich jetzt so eindringlich. Ist das für mich momentan wirklich OK?

Ist die Balance zwischen Freud und Leid ausreichend?

Scared to be lonely

Ich denke in letzter Zeit übergeordnet über Beziehungen nach. wohl deshalb weil mein Papa sich nach 10 Jahren von seiner Lebens(-abschnitts)gefährtin getrennt hat. Eine riesige Erleichterung für fast alle. Immer habe ich mich gefragt, was ihn an dieser Person hielt, denn besonders freundlich war sie nicht und auch allgemein im Umgang eher angespannt, schwierig, extrem schnell beleidigt. Stellte mir das Zusammenleben mit ihr wie ein ständiges Laufen auf Eierschalen vor: Ein falsches Wort und der Haussegen hing schief und man wurde wegignoriert.

Doch irgendwas muss ja wohl überwogen haben, irgendetwas viel. Oder war das wieder eine klassische Beziehung, wo das Haltbarkeitsdatum schon längst überschritten war? Was die beiden zusammen hielt waren irgendwann mehr die Fäden des gemeinsamen Eigentums, die Unbequemlichkeit des Umzugs mit allem Zipp und Zapp UND die Angst vor dem Alleinesein.

Streitgespräche sind vielen lieber als Selbstgespräche.

Für mich steht die Angst vorm Alleinesein momentan sehr im Kontrast mit dem urmenschlichen Bedürfnis nach Nähe und Gemeinschaft. Sind wir eventuell heute zu anspruchsvoll an unsere Gegenüber geworden, was eventuell mit dieser unendlichen Unabhängigkeit einhergeht?

Keiner braucht theoretisch direkt den anderen um zu Überleben (faktisch hier in Deutschland).

Natürlich hinterfrage ich diesbezüglich auch meine Beziehung zu Gio. Freiwilliger kann das ja wohl nicht sein. Niemand braucht den anderen, wir gehen eher noch sehr unbequeme Wege, um zusammen zu sein.

Doch trotzdem: Seine Aufmerksamkeit, seine Worte, unsere Gespräche usw machen mich ja auch auf eine Art abhängig von ihm. Weil ich mich schon längst daran gewöhnt habe. Und es eben nicht so ist, dass sich das mit dem nächstbesten ersetzen lässt. Zumindest ich kann das nicht.

Es gibt da noch einen Mann, der von meiner damaligen Tinder-Zeit übrig geblieben ist. Vom Aussehen mein Typ, wohnt quasi im die Ecke (30km entfernt), und mit dem hatte ich vor mich damals zu einem Date zu treffen. Doch dann kam der Winter und der Lockdown dazwischen und irgendwie dann auch Gio. Und dieser Mann und ich hatten zwar Handynummern ausgetauscht, uns aber dann doch nie getroffen.

In den letzten Wochen suchte er verstärkt Kontakt, reagierte immer wieder auf meine Stories und ich blieb eigentlich immer ziemlich neutral. Gestern fragte er dann ganz konkret nach einem erneuten Versuch, nach einer Verabredung.

Und ich musste wirklich einen Tag darüber nachdenken.

Halt, Stop

Durch die Zeit mit dem Neapolitaner wurde mir wieder bewusst, wie es ist eine Beziehung zu führen. Vor allem eben in den Wochen, die wir tagtäglich zusammen verbrachten. Als kompletter Single, vergisst man das irgendwie, und stellt sich während der ganzen „Jagd“ (Dating) die Beziehung als Art Happy End vor. Wie in einem Hollywoodfilm, am Ende wird geheiratet und dann ist der Film vorbei. Als ob dann alles perfekt wäre und in einer Linie fortläuft.

Es ist aber nicht so. All die Situationen und Gespräche, in denen man sich erst so richtig richtig kennenlernt. Wo die Romantik keinen Platz oder Sinn mehr hat, sondern so etwas wie Wohlwollen und Freundlichkeit vonnöten sind.

Jemanden wirklich kennenzulernen, ist gar nicht so einfach und erfordert wirklich Zeit. Geduld, Interesse.

Und dann bringt man ja noch seine eigenen Päckchen mit, die in einer Beziehung unweigerlich ausgepackt werden, wenn man wirklich aneinander interessiert ist.

Das alles ist anstrengend.

Und doch ist es das, was mich viel lebendiger fühlen lässt, als alleine mit meinen Paketen durch die Welt zu gehen. Auch wenn ich das kann. Dessen bin ich mir inzwischen sicher.

Mein Neapolitaner ist wie ein Übungsfeld, ich gewöhne mich langsam wieder daran in Bindung zu sein, doch ohne, dass die Gefahr besteht, dass es plötzlich zu nah wird und ich mich überfordert oder abgeschreckt fühle. Nicht von ihm. Sondern von fester Bindung.

Ich bin überzeugt davon, dass meine Bindungsangst ein Grund dafür war, dass es nicht geklappt hat bei all den Dates. Dass das Anhaften an emotional unreife, nicht greifbare Männer auch in meiner Angst vor Bindung begründet war. Ich bin eine intelligente Frau, die der Pubertät schon ein paar Jährchen entwachsen ist. Warum also sonst zum Teufel sollte ich das sonst sehenden Auges mitmachen, sobald klar wurde, was dieser Mann will, nicht will, kann und nicht kann ?

Mir ist sehr bewusst, dass diese Bindung auf Distanz genau das ist, was ICH momentan kann. Ohne dass es brüchig wird, ohne dass es ein Typ ist, der eigentlich keine Beziehung führen will, ohne dass mich der Typ am langen Arm verhungern lässt und ich dabei sitzen bleibe, als sei er die einzige Oase weit und breit.

Es gibt einen Grund, weshalb ich hier nie bei den liebenswerten, emotional stabilen Männern hängen geblieben bin. Mich und meine Angst.

Ich spreche natürlich nicht, von den Exemplaren, die mich wissentlich getäuscht und belogen haben. Wer kann sich schon davor schützen?

Ein Beitrag ohne jegliche Romantik, aber mit ein bisschen Selbstreflektion, die ich an diesem Morgen festhalten musste.

Ein Neapolitaner in Deutschland

Tja. Nun war er hier, nach so langer Zeit und ich bin überschwemmt von Eindrücken und Emotionen.

Ich kann alles noch nicht so zuordnen und sortieren. Dieses oder Jenes festhalten, was Zukunftsprognosen angeht. Er ist ein Mann, der mir sehr nahe gekommen ist. Und bei dem ich mich so frei und authentisch fühlen kann, wie schon lange lange nicht mehr. Ich würde auch sagen, dass uns in allererster Linie eine Freundschaft verbindet. Und dass ich ihn unglaublich gerne habe. Lieb habe. Auch wenn dieses „Lieb haben“ irgendwie so nach 5. Klasse klingt. Hdgggdl. Oh Mann…

Es ist aber wirklich so, was soll ich machen. Ich kann nicht sagen, ob er der Mann ist. DER Mann. Ob eine langfristige Beziehung funktionieren kann. Mit diesem Besuch von ihm hier in Deutschland habe ich gefühlt, wie sehr wir aus anderen Welten kommen. Nicht nur die Länder, vieles andere mehr.

Wohl auch deshalb, weil ich hier ja in meiner Umgebung bin und also automatisch weniger das Gefühl habe, mich irgendwie zu assimilieren.

Hier kam er mir öfter vor, wie ein contadino, ein Bauer. Die deutsche Zurückgenommenheit hat mit anderen Augen auf manche Verhaltensweisen geblickt als damals in Neapel.

Was bleibt, ist sein Kern, der strotzt vor Herzlichkeit, Freundlichkeit und Zugewandtheit. Unglaublich Liebenswert eben.

Wir haben auch einen Tag mit 3 Freunden von mir verbracht und ich glaube, da fiel dasselbe Urteil bzw. Eindruck.

Ich finde es schwierig momentan meine eigenen Gefühle klar zu benennen und deshalb habe ich gar keine Lust mit meinen Freunden detailliert über deren Eindrücke von ihm zu sprechen.

Der Abschied war genauso. Wir standen umarmt da, hatten noch ca 15 Minuten und ich wusste nichts zu sagen. Hätte ich mir mehr Worte gewünscht? Mehr Versprechungen, mehr Liebesschwüre, mehr Blabla? Ich könnte es ja selbst nicht in diesem Moment aufgrund meiner Verwirrung.

Was macht eine Beziehung aus? Dass man sich zueinander und füreinander bekennt, Anziehung, Authentizität und loslassen. Für mich sind das die Grundlagen. Was muss stimmen? Was kann ich vernachlässigen bzw akzeptieren?

Wir umarmen uns, küssen uns und ich gehe um die Ecke, weil ich es nicht mehr ertragen kann, diesen Abschied. Er versteht nicht wirklich, weshalb ich nicht noch mit ihm warten will. Ich gehe, und drehe mich an der Ecke nochmal um, um zu schauen, ob er in die richtige Richtung geht und in dem Moment kann ich die Tränen gar nicht mehr zurückhalten, weil ich ihn da stehen sehe, in seinen bretelle seinen Hosenträgern und weil er so sehr nach Napoli aussieht und so verloren. Er sieht mich noch und ich winke ihm zu und gehe um die Ecke. Ich lehne mich an die Wand um durchzuatmen.

Da kommt er hinterher, auch um die Ecke und ich glaube, meine Tränen machen ihn sehr traurig und betroffen und alles was er sagt ist, dass er doch immer bei mir ist. Und wirklich, in diesem Moment merke ich, wieviel er mir bedeutet. Und das ist er, der Moment, in diesem Moment, ist alles klar in allem, und der Moment bleibt mir in Erinnerung. In seiner Echtheit und Klarheit.

This will last 2 wknds

Manchmal habe ich das Gefühl, dass mein Leben schon vorbei ist. Schon fertig geschrieben. Dass da eigentlich nichts mehr kommt. An Spannendem. Dass ich so am Ende angekommen bin. Dass ich nicht mal weiß….was ich eigentlich will. Was mir Freude macht.

Ich bin insgesamt zuviel alleine, weiß aber nicht wie ich das ändern kann. Ich weiß auch zum Teil, wie das kommen konnte (Covid, Home Office, der Job an sich) Ich fühle mich wie ein schwerer Sack und niemand hat Lust sich nach mir zu erkundigen (Stimmt nicht wirklich). Nicht mal die, die ich NICHT mag. Bzw. nicht ganz so gerne mag. Und um ehrlich zu sein, ganz mit mir selbst: Ich mag eigentlich sehr viele nicht.

Ist das so? Dass man die Leute so aufgabelt am Wegesrand, weil sie eben da sind und dann verbringt man manch eine schöne Zeit miteinander und dann trennt sich alles wieder? Wie schaffen das die Menschen so massig Beziehungen zu unterhalten?

In der letzten Zeit habe ich es geschafft ultra viele Freundschaften auf Eis zu legen- nicht nur auf Eis, sondern dem Feuer zu übergeben. Verbrennen. Und ich vermisse sie nicht sehr. Aber was bleibt, ist mehr alleine sein. Oft liest man „Lieber alleine als mit unechten Freundschaften“.

Ich war immer gut darin, Menschen kennenzulernen. Aber ich glaube ich war nie gut darin, wirklich gute Beziehungen zu etablieren. Nicht dass es sich für die Momente nicht gut angefühlt hätte. Aber ganz oft auch doch nicht. Ich habe mich oft an Dingen gestört. Und mir fiel es dann schwer, dieses unangenehme wirklich für mich zu behalten. Innerlich hat es sich immer mehr aufgekocht – und irgendwann platzte es. Manche Freundschaften sind daran gewachsen. Manche zerbrochen.

Und manche Freundschaften verliefen sich. Wo ich es wirklich schade fand – und auch das Ansprechen nichts änderte.

Ich bin gerade an einem ultra Scheideweg: Ich ertrage keine Oberflächlichkeit mehr, dabei vermisse ich es auch, wenn ich dadurch automatisch weniger unternehme.

Noch vor einigen Jahren habe ich so viele „Kontakte“, bloß kein Wochenende durfte ungenutzt sein, vollgepackt mit Treffen. Und sobald ich am Ende eines Tages (damals noch die WG-)-Türe hinter mir schloss, fühlte ich mich einsam und leer. Diese Kontakte waren nicht erfüllend. Aber trotzdem waren die Momente unterhaltsam. Kurzweilig. Wie wenn man sich eine Reality-Trash-TVserie anschaut.

Ich bin noch zu keinem Schluss gekommen, was ich weiter machen will – und Sinn für mich persönlich ergibt in Zukunft. Ich weiß nur, dass Corona vieles verändert hat. In mir und wie ich Freundschaften wahrnehme.

Die Liebe tropft in meinem Kopf…

Vor ein paar Tagen stieß ich wieder auf eine Notiz in meinem Handy: „Vielleicht ist es ja genau für diesen Augenblick Liebe.“

Genau das habe ich ich diesem Moment empfunden. So sehr, dass ich mich an dieses Gefühl später erinnern wollte. Die Liebe.

Ich glaube, das ist das erste Mal dass ich das in Zusammenhang mit ihm, meinem Neapolitaner, verbal ausformuliert habe.

Die Angst jedoch, das wirklich zuzulassen, mich da reinfallen zu lassen, sitzt mir fast immer im Nacken. Was wenn in ein paar Wochen plötzlich alles vorbei ist? Sich mein Gefühl als lächerlich und falsch entpuppt? Er als unwürdig? Alles Augenwischerei?

Wie so oft, ziehen mich diese Gedanken von der Gegenwart weg. Dabei gibt es doch nur das Jetzt. Wie könnte ich Gefühle konservieren, die sich doch sowieso nicht einfangen lassen, in Stein meißeln. Ich traue dieser Leichtigkeit nicht. Meine Gedanken sind manchmal so auffressend. Und zwar fressen sie das Hier und Jetzt auf. „It´s hard to dance with a devil on your back – so shake it off.“ Florence and the Machine.

Diese Liebe ist anders. Sie ist nicht so, dass sie einen ganzen Menschen umspült wie einen Wasserfall, so dass ich die Person gar nicht mehr wahrnehmen kann. Es ist subtiler und inniger. Und ich merke wie so etwas, was sich Chance nennt, das erst möglich macht. Die Bereitschaft sich einzulassen und die Lust und den Mut für einen anderen Menschen. Und dann sieht man sich immer mehr. Die Unzulänglichkeiten, die Eckpunkte, die man erst nicht versteht. Oder auch niemals verstehen wird.

Und während ich hier meine inneren liebevollen Geflechte spinne, sitzt das Misstrauen trotzallem in meinem Nacken und füttert meine Angst, dass das alles doch wieder über den Haufen geworfen werden könnte.

Wie tief das doch blicken lässt. Und es wird doch für immer ein Risiko bleiben, die Liebe.

Ich werde mich immer daran erinnern, wie ich aufwache und er neben mir liegt, auf einem Ellbogen den Kopf aufgestützt und mich anschaut. Ganz ruhig und konzentriert und sanft.

Kleines Kapitelende ?

Wie beschreibt man am Besten das Ende von etwas, das noch so fragil, gerade noch so am beginnen und in seiner Findung war?

Als kleines Kapitelende vielleicht, denn ein Buch ist daraus noch nicht geworden.

Das Ende hätte einen süßen, einen bittersüßen Grund. Seit unserem Kennenlernen in Neapel, hat sich da etwas entwickelt, dass sich mit Händen und Füßen gegen eine Bezeichnung gesperrt hat. In meinem Kopf.

Willst du meine Freundin sein hat mich schon lange keiner mehr gefragt. Klar, dass das mitten ins Herz geht, oder?

Nach der ganzen anfänglichen Euphorie hat sich aber immer mehr Frust bei mir eingestellt. Seine Frage klang wie etwas, das man nun pro forma hat. Auf dem Papier. Aber die Realität sieht anders aus.

Ich habe keinen Freund. Ich habe mein Handy. Was zu Zeiten von Corona erfrischend, erquickend und mein bester Freund wurde, will ich aber nicht meine Zukunft werden lassen.

Und es gibt keinen Plan. Und selbst wenn, dann braucht es noch Zeit. Mich schmerzt das alles zu sehr – und, es ist mir nicht genug.

Ich verstehe, dass Menschen mit der Distanz leben können. Aber vielleicht haben sie andere Bedürfnisse als ich. Und vielleicht auch andere Pläne.

Was erwartet mich dann? Das Nichts und Niemand. Aber zumindest eine Chance. Auf wirkliche Nähe, auf beständige Nähe, auf gemeinsam Wachsen und Zusammenwachsen.

In letzter Zeit gab es viel Stress. Kleinvieh. Doch zugrunde liegen vielleicht viel essentiellere Dinge. Ich weiß noch nicht, wie ich da raus komme. Denn wie macht man das gut? Zu sagen: Entschuldigung, du bist zu gut? Ich will dich zu sehr, aber du bist nicht da? Deshalb adieu.

Doch: Ich verlasse auch kein Paradies. Es gab und gibt große Unterschiede zwischen uns. Die Selbstdarstellung via Instagram in einem solchen Ausmaß ist mir fremd. Hat sich herausgestellt, dass es mir nicht nur fremd, sondern auch unangenehm ist. Ist das nun Meckern auf hohem Niveau?

Ich meine zu wissen, dass sowohl in diesem Drang zur Darstellung und meiner fast schon verheerenden Abneigung dagegen mehr steckt. Lässt sich wohl beides ganz simpel auf Unsicherheit reduzieren.

Es bringt auch nichts, sich daran aufzuhängen. Es bleiben 1000 Kilometer Distanz und keine Aussicht auf Überwindung. Und ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und irgendwie auch Wut. Weil er damit viel besser zurecht kommt. Weil er in Neapel gefühlt 209493 Millionen Verwandte hat und daher eine Beziehung zwar wichtig, aber gar nicht diesen Stellenwert hat oder Priorität wie für mich.

Er ist zugewandt, er ist aufmerksam, er ist all das. Aber dieser Unterschied ist trotzdem fühlbar. Ich brauche mehr Nähe als er. Und das kann ich nicht ändern. Und er die Umstände nicht.

Der nächste Flug ist (für ihn) nun aber schon gebucht. Inklusiver einem Aufenthalt nicht in meiner Stadt. Nun….

was jetzt?